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Berichtsvorlage

                                    
                                        V/0925/2020

Amt für Kinder, Jugendliche
und Familien

Öffentliche Berichtsvorlage

11.02.2021
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Frau Boye
Telefon: 492-5830
Boye@stadt-muenster.de

Betrifft

Finanzielle und konzeptionelle Weiterentwicklung der Kindertagespflege in der Stadt Münster

Beratungsfolge

25.02.2021

Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien

Bericht

17.03.2021

Hauptausschuss

Bericht

17.03.2021

Rat

Bericht

Bericht:
Ausgangslage
Die Verwaltung ist durch den gemeinsamen Ratsantrag der CDU-Fraktion und der Fraktion Bündnis
90/Die Grünen/GAL vom 25.06.2019 „Kindertagespflege finanziell und konzeptionell weiterentwickeln“
(siehe Anlage 1) aufgefordert worden, ein Finanzierungskonzept der leistungsorientierten Bezahlung
für die selbstständige Kindertagespflege zu entwickeln, das vorhandene Vertretungssystem entsprechend den Bedarfen auszubauen und die qualitätsorientierte Weiterentwicklung darzustellen.
Die Anregung des Netzwerks Kindertagespflege in Münster gem. § 24 GO vom 05.07.2019 „Antrag
zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Tagespflegepersonen in Münster“ (siehe Anlage 2)
wurde hierbei miteinbezogen.
1. Kindertagespflege in der Stadt Münster
Die Kindertagespflege stellt in Münster eine wichtige Säule in der Betreuung, insbesondere von Kindern bis zu drei Jahren, dar. Die Versorgungsquote für u3-Kinder liegt in Münster aktuell bei 48,1 %,
davon werden 1/3 der Kinder in der Kindertagespflege betreut.
In 2020 stellte die Kindertagespflege 1.326 u3-Plätze und 21 ü3-Plätze bereit. Davon sind 57 Prozent
der Plätze bei Kindertagespflegepersonen im eigenen Haushalt und 43 Prozent in Großtagespflegestellen. Derzeit gibt es in Münster 63 Großtagespflegestellen. Die Betreuung durch Kinderfrauen
spielt aktuell kaum eine Rolle mehr, da die Regeln der Kindertagespflege für diesen Bereich zu unattraktiv sind.
Von den 281 Kindertagespflegepersonen in Münster sind 58 Prozent der Kindertagespflegepersonen
nach DJI-Standard qualifiziert und 42 Prozent sind ausgebildete sozialpädagogische Fachkräfte gemäß KiBiz. D. h. hier handelt es sich um Personen, die als Gruppenleitung in einer Einrichtung arbeiten könnten. Die Quote der sozialpädagogischen Fachkräfte variiert jedoch zwischen den Formen der
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Kindertagespflege. In der Großtagespflegestelle sind ca. 50 Prozent aller Kindertagespflegepersonen
sozialpädagogische Fachkräfte, im eigenen Haushalt sind es ca. 33 Prozent.
Die durchschnittlich vorgehaltene Anzahl an Plätzen pro Kindertagespflegeperson hat sich von 4 in
2015 auf 4,6 in 2020 erhöht. Mit dieser Entwicklung steht Münster nicht alleine da, sondern sie spiegelt sich im Landestrend wider. In der Regel sind die Kindertagespflegepersonen selbstständig tätig.
In Münster arbeiten derzeit in sechs Großtagespflegestellen angestellte Kindertagespflegepersonen.1
Die Fachberatung ist ein zentraler Baustein im System Kindertagespflege. Münster kann schon seit
über 25 Jahren auf die Existenz von Fachberatung für Kindertagespflegepersonen und Eltern zurückblicken. Dies ist auch ein wichtiger Grund dafür, dass in Münster Kindertagespflege entsprechende
Platzzahlen im Bereich der u3-Betreuung in der erforderlichen Qualität vorweisen kann. Die Kindertagespflege ist ein komplexes Jugendhilfefeld, wichtig ist Fachberatung mit spezifischen Fachkenntnissen. Einheitliche Standards führen zu erhöhter Qualität und Sicherheit innerhalb des Systems. Fachberatung aus einer Hand ist ein Erfolgsfaktor der quantitativen und qualitativen Entwicklung des Leistungsfeldes.
2. Entwicklung eines Finanzierungskonzepts der leistungsgerechten Bezahlung und der Erstattung angemessener Kosten für den Sachaufwand für die selbstständige Kindertagespflege
Die Kindertagespflegepersonen erhalten für ihre Tätigkeit eine Geldleistung, die pro Kind und Betreuungsstunde gezahlt wird. Die Festlegung der Höhe der Geldleistung, die sich aus dem Sachaufwand
und dem Betrag zur Anerkennung der Förderleistung zusammensetzt, ist eine kommunale Entscheidung. Diese Geldleistung beträgt seit Januar 2020 für vollqualifizierte Kindertagespflegepersonen und
sozialpädagogische Fachkräfte 5 € pro Kind pro Stunde. Kindertagespflegepersonen können für jedes
Kind, das sie betreuen, einen Steuerfreibetrag (Betriebsausgabenpauschale) in Höhe von maximal
300 € pro Monat für eine 40 Stundenbetreuung geltend gemacht werden (Anlage 3a „Aktuelles Finanzierungskonzept“ in der Anlage 3).
Der Auftrag, ein Finanzierungskonzept der leistungsorientierten Bezahlung für die selbstständige Kindertagespflege zu entwickeln, ist sehr herausfordernd. Die rechtlichen Rahmenbedingungen befinden
sich im Wesentlichen im SGB VIII und sind in der Summe recht komplex. Dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien war es dabei wichtig, ein Konzept zu entwickeln (siehe Anlage 3), das der
rechtlichen Überprüfung standhält. Daher hat es sich bei der Erarbeitung an der Expertise von Prof.
Dr. jur. Johannes Münder „Erarbeitung einer Kalkulationsgrundlage für die Bemessung der laufenden
Geldleistung für Kindertagespflegepersonen gemäß § 23 SGB VIII“ vom Mai 2017, die er im Auftrag
des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. für die Stadt Dresden angefertigt hat,
orientiert. Prof. Dr. jur. Münder erläutert objektivierbare Bezugsgrößen für die Festlegung der Höhe
der laufenden Geldleistung, da es keinen unregulierten Markt der öffentlich geförderten Kindertagespflege gibt.
Die Umsetzung dieses Ansatzes hat zur Folge, dass die Erstattung angemessener Kosten, die der
Kindertagespflegeperson für den Sachaufwand entstehen, erstmals mit realen Beträgen errechnet
wird und nicht wie zuvor ausschließlich mit Pauschalen (1,75 Euro pro Kind und Stunde). Dabei erfolgte eine Unterscheidung von Kindertagespflegepersonen, die in Großtagespflegestellen oder im
eigenen Haushalt tätig sind (siehe Anlage 3d „Sachaufwand“ in der Anlage 3, Seite 15 ff).
 Kindertagespflegepersonen in eigenen Räumen erhalten eine monatliche Pauschale von
81,36 Euro, zuzüglich 0,91 Euro pro betreutem Kind und Stunde.
 Kindertagespflegepersonen in Großtagespflegestellen erhalten eine monatliche Pauschale
von 459,76 Euro, zuzüglich 0,20 Euro pro betreutem Kind und Stunde. Zusätzlich können
Ausgaben für den Erhaltungsaufwand für die Räume auf Antrag erstattet werden.
Dies führt zu einer jährlichen Reduzierung der kommunalen Ausgaben in Höhe von ca. 1,5 Millionen
1

siehe hierzu und zu den Wesensmerkmalen von Kindertagespflege die Vorlage V/0454/2017 „Großtagespflege in der Stadt Münster –
Erweiterung der erfolgreichen Ausbaustrategie mit selbstständigen Tagespflegepersonen durch die Möglichkeit, Großtagespflegestellen mit
angestellten Tagespflegepersonen zu betreiben“
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Euro.
Der Betrag zur Anerkennung der Förderleistung wird nun in Anlehnung an den TVöD abgeleitet.
Des Weiteren werden die bisher finanzierten 20 Tage betreuungsfreie Zeit um insgesamt 26,48 weitere betreuungsfreie Tage zum Ausgleich aufgestockt. Darin sind weitere 10 Tage betreuungsfreie Zeit
sowie 15,48 Krankheitstage und ein Fortbildungstag enthalten.
Dies führt zu jährlichen Mehrkosten von ca. 3 Millionen Euro (vgl. Punkt 2.1.1).
Im Grundsatz wird zukünftig nur noch die Betreuungszeit finanziert, die beschieden und zu der auch
tatsächlich Betreuung angeboten wurde. D. h. u. a., dass Urlaubs- und Krankheitstage über einen
erhöhten Stundensatz pro Kind ausgeglichen werden und somit nur noch tatsächliche Betreuungsleistungen finanziert werden. Die Sachkosten sollen für bis zu 47 Tagen, an denen nicht betreut wird,
weiter erstattet werden.
Für die technische Umsetzung des Finanzierungskonzeptes in der Kindertagespflege bedarf es einer
Software, die die Verwaltung zur Spitzabrechnung der Betreuungsleistung einsetzen kann. Diese soll
auch eingesetzt werden, um den so steigenden Verwaltungsaufwand zu reduzieren und weitere Personalkostensteigerungen zu verhindern.
2.1 Entwicklung eines Modells zur Anerkennung der Förderleistung
Im Zuge der Entwicklung eines Finanzierungskonzepts der leistungsorientierten Bezahlung hat das
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien ein Modell zur Anerkennung der Förderleistung entwickelt.
Sowohl Prof. Dr. jur. Münder als auch die aktuelle Rechtsprechung orientieren sich am TVöD, um
Tätigkeitsmerkmale für eine Leistungsbemessung sachgerecht aufzuschlüsseln. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Berücksichtigung von Erfahrungen und Qualifikationen, um eine Leistungsgerechtigkeit zu erreichen.
Kindertagespflegepersonen sind selbstständig tätig. Daher kann nur eine Orientierung am TVöD erfolgen. Jedoch soll hier ein Stundenfaktor betreuungsfreie Zeiten, Krankheitstage und Fortbildungstage angemessen einbeziehen (siehe Anlage 3, Seite 7).
Es wurde sich bewusst gegen eine Differenzierung zwischen sozialpädagogischen Fachkräften und
nicht sozialpädagogischen Fachkräften entschieden. Dennoch wird hier die sozialpädagogische Ausbildung durch einen höheren Phaseneinstieg berücksichtigt. Der Fokus in diesem Modell liegt auf der
Tätigkeit. Dies entspricht auch der Tradition der Kindertagespflege nicht nur in der Stadt Münster.
Das Modell bietet ein hohes Entwicklungspotential für Kindertagespflegepersonen. Da ein Aufstieg in
eine nächsthöhere Entgeltphase an Laufzeiten und Qualitätsanforderungen geknüpft ist, ist die fachliche und systematische Begleitung der Qualitätssicherung und -entwicklung in der Kindertagespflege
(vgl. KiBiz) gewährleistet (vgl. Punkt 2.1.2).
Ein weiterer Vorteil ist, dass das vorgestellte System sich positiv auf die zeitliche Perspektive und
die Motivation der Kindertagespflegepersonen in Münster auswirkt, da eine kontinuierliche berufliche
Weiterentwicklung möglich ist und die Attraktivität der Tätigkeit gesteigert wird.
2.1.1 Mittelwertmodell
In dem Modell wird von einer gleichwertigen Tätigkeit aller Kindertagespflegepersonen ausgegangen.
Eine eindeutige Zuordnung in eine entsprechende Entgeltgruppe nach dem TVöD war nicht möglich.
Deshalb wurde ein Mittelwert aus den Entgeltgruppen SuE 4 und SuE 8a berechnet. Berufliche Qualifikationen werden durch verschiedene Einstiegsphasen honoriert. Erfahrungen, die sich in entsprechenden Kompetenzen widerspiegeln und durch eine langjährige Tätigkeit in der Kindertagespflege
erworben wurden, ermöglichen es, dass jede Kindertagespflegeperson unabhängig von ihrer Ausbildung eine gleiche Förderleistung erhalten kann.
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In der Kindertagespflege werden nicht durchgängig jeden Monat fünf Tageskinder pro Kindertagespflegeperson betreut. Um dies in der Förderleistung zu berücksichtigen, wurde eine durchschnittliche
Auslastungsquote berechnet, die neben dem Stundenfaktor auf die Förderleistung aufgeschlagen
wurde.

Förderleistungstabelle für Kindertagespflegepersonen, die im eigenen Haushalt betreuen (inkl.
einer Auslastungsquote von 97 %) 2

2

Mithilfe des Mittelwertes aus TVöD – SuE 4 und SuE 8a, der Berechnung des Stundenfaktors und der Auslastungsquote errechnet sich
eine ausgezahlte Förderleistung pro Kind pro Stunde (dick umrandet). Bei einer Betreuung von 39 Wochenstunden und 5 Tageskindern
ergibt dies die monatlich ausgezahlte Förderleistung (siehe letzte Spalte). Diese würde ausgezahlt werden, wenn die Kindertagespflegeperson keine betreuungsfreie Zeit, Krankheitstage oder Fortbildungstage nehmen würde.
Wenn die Kindertagespflegeperson jedoch an 46,48 Tagen im Jahr keine Betreuung anbietet, würden diese Tage abgezogen werden. Der
monatliche Vergleichswert sowie der zugehörige Vergleichswert pro Kind pro Stunde finden sich ebenfalls in der Tabelle.
Wenn die Kindertagespflegeperson 20 Tage im Jahr nicht betreut, ergibt sich zudem ein Vergleichswert pro Kind pro Stunde, der als Referenzwert zum aktuellen Finanzierungskonzept (3,25 € pro Kind pro Stunde) dient.

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Förderleistungstabelle für Kindertagespflegepersonen, die in Großtagespflegestellen betreuen
(inkl. einer Auslastungsquote von 88 %) 2
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Gemäß dem KiBiz dürfen in einer Großtagespflegestelle maximal 9 Kinder betreut werden. D.h. in
Großtagespflegestellen können im Schnitt max. 4,5 Tageskinder pro Kindertagespflegeperson betreut
werden. Dies und die Tatsache, dass nicht durchgängig jeden Monat 4,5 Tageskinder pro Kindertagespflegeperson betreut werden, wurde in der Auslastungsquote berücksichtigt.

Die Mehrkosten für das Modell belaufen sich auf ca. 3 Millionen Euro. Darin sind die Mehrkosten für
die folgliche Erhöhung der hälftigen Erstattungen der Sozialversicherungen bereits enthalten.
2.1.2 Zeitlicher Phasenaufstieg sowie Verknüpfung von Phasenaufstieg und Qualitätskriterien
zur Qualitätsentwicklung
Grundsätzlich gibt es für den Aufstieg in die nächst höhere Phase klare zeitliche Vorgaben. Zur Qualitätssicherung soll der erfolgreiche Phasenaufstieg an die im KiBiz formulierten Qualitätskriterien geknüpft werden. Die Erfüllung der Kriterien soll standardisiert erfasst und entsprechend ausgewertet
werden. Die Kindertagespflegepersonen werden hierbei fachlich durch Qualifizierungsangebote und
Fachberatung unterstützt.
Als Qualitätsanforderungen sind im Einzelnen zu nennen:
 Anfertigen einer Entwicklungs- und Bildungsdokumentation
 Aktualisierung der pädagogischen Konzeption inklusive der alltagsintegrierten SprachV/0925/2020

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




förderung und Kinderschutz
Regelmäßige Entwicklungsgespräche mit den Eltern
Aktualisierung der Kinderschutzfortbildung
Fortbildungen mit insgesamt 12 UE jährlich
Kooperation mit der Beratungsstelle für Kindertagespflege (insbesondere bei Rückmeldungen zum Leistungsangebot).

2.1.3 Jährliche Überprüfung und Anpassung der Bemessung des Sachaufwands sowie der
Tabellen zur Ermittlung des Betrags zur Anerkennung der Förderleistung
Rechtlich ist es erforderlich, dass die Bemessung der Erstattung des Sachaufwands regelmäßig
überprüft und angepasst wird. Dies erfolgt jährlich anhand des Verbraucherpreisindex und darüber
hinaus durch die Überprüfung der konkreten Sachaufwände in der Kindertagespflege alle fünf Jahre.
Auch die entsprechenden Tabellen zur Ermittlung des Betrags zur Anerkennung der Förderleistung
sollen entsprechend den Entwicklungen im TVöD jährlich überprüft und angepasst werden. Dies gebietet zum einen die grundsätzliche Orientierung am TVöD und zum anderen bildet dies die Voraussetzung für den Landeszuschuss gemäß § 24 Abs. 3 KiBiz. Die grundsätzliche Entscheidung, eine
jährliche Anpassung der Geldleistung vorzusehen, wurde mit Beschluss über die Vorlage
V/0631/2020 herbeigeführt. Aus dem nun vorgelegten Finanzierungskonzept ergibt sich die Form der
jährlichen Anpassung der laufenden Geldleistung.
2.1.4 Überleitung der bereits tätigen Kindertagespflegepersonen in das neue Modell
Alle tätigen Kindertagespflegepersonen werden mit der Einführung des neuen Modells entsprechend
ihrer Berufsjahre in der Kindertagespflege eingestuft. In der jeweiligen Phase werden ebenso die
Tätigkeitsjahre anerkannt. Ein Wechsel in eine höhere Phase kann dann mit Nachweis der Qualitätsanforderungen und den entsprechenden Jahren, die die Kindertagespflegeperson tätig ist, auf Antrag
erfolgen. Unterbrechungszeiten in der Kindertagespflege werden bei den Tätigkeitsjahren in Abzug
gebracht. Der Wechsel zum neuen System könnte mit Beginn eines neuen Kitajahres umgesetzt werden.
3. Ausbau des vorhandenen Vertretungssystems entsprechend den Bedarfen
Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es von zentraler Bedeutung, dass eine verlässliche
Betreuung der Kinder in der Kindertagespflege möglich ist. Daher ist nach § 23 Abs. 4 Satz 2 SGB
VIII das Jugendamt verpflichtet, die Ausfallzeiten der Kindertagespflegeperson in Form einer anderen
Betreuungsmöglichkeit für das Kind sicherzustellen. Damit dieser Anspruch erfüllt werden kann, muss
das in Münster bereits existierende Vertretungsmodell erweitert werden.
3.1 Aktuelle Vertretungssituation
Das bestehende Modell ermöglicht die Vertretung über den Verein für alleinerziehende Mütter und
Väter Münster e.V. (VAMV) durch den Einsatz dort beschäftigter Vertretungskräfte (i.d.R. Studenten).
Dieses Modell bietet sich insbesondere für die Vertretung beim Ausfall einer Kindertagespflegeperson
in einer Großtagespflegestelle an. Jedoch reichen die Kapazitäten des VAMV nicht aus, um alle Anfragen entsprechend abdecken zu können.
Obwohl 57 Prozent der Plätze in Kindertagespflegestellen im eigenen Haushalt angeboten werden,
gibt es derzeit für diese Betreuungsform kaum ein passendes Vertretungsangebot. Ist die Kindertagespflegeperson krank, fällt auch der Betreuungsort weg. Die Betreuung müsste somit in den
Haushalt der Eltern verlagert werden. Dies ist in der Regel nicht ohne Weiteres möglich. Unter Umständen müssten für fünf Kinder fünf Betreuungspersonen für ihren jeweiligen Wohnort organisiert
werden.
3.2 Drei Vertretungsmodelle abgestimmt auf die Bedürfnisse in Münster
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Im Rahmen des Ratsantrags, das vorhandene Vertretungssystem entsprechend den Bedarfen auszubauen, hat die Beratungsstelle für Kindertagespflege gemeinsam mit Vertreter/-innen der Kindertagespflegepersonen verschiedene Vertretungsmodelle erarbeitet und diskutiert (siehe Anlage 4). In der
Quintessenz wurden drei Modelle als geeignet bewertet. Das bestehende Vertretungsangebot des
VAMV soll bestehen bleiben und um zwei weitere Angebote ergänzt werden. Folgender Vorschlag
wurde erarbeitet:
- Das bestehende Modell über den VAMV e.V. mit seinem Angebot Dienst-im-Notfall (kurz: DiNo)
soll als Basis beibehalten werden.
- Dazu ergänzend soll zum einen ein Pool mit angestellten Vertretungskräften aufgebaut
werden, die jeweils über die notwendigen Qualifikationen und Berechtigungen wie Kindertagespflegepersonen verfügen. Diese Variante ermöglicht vorrangig die Vertretung in Großtagespflegestellen.
- Zum anderen soll eine zentrale Großtagespflegestelle (Stützpunkt) mit angestellten Kindertagespflegepersonen geschaffen werden. Diese Variante soll vorrangig eine verlässliche Betreuungsmöglichkeit für Kinder, die im Privathaushalt einer Kindertagespflegeperson betreut werden,
bieten.
Um Synergieeffekte nutzen zu können, sollte die Organisation der Vertretungsmodelle (Pool mit
angestellten Vertretungskräften und Stützpunkt Großtagespflegestelle) durch einen freien Träger
der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Münster umgesetzt werden.
Mit diesem Vorschlag sind folgende zusätzliche Kosten verbunden:

Erforderliche zusätzliche Kapazität

Pool mit angestellten Vertretungskräften
3 Vollzeitstellen:
Sinnvoll ist es, diese drei
Stellen auf mindestens vier
Personen zu verteilen

Kosten, einmalig
/
Kosten, jährlich

153.000 Euro

Stützpunkt Großtagespflegestelle
2,5 Vollzeitstellen:
sinnvoll ist es, diese 2,5 Stellen auf
mindestens drei Personen zu verteilen
149.000 Euro
ergibt sich aus Umbaukosten und
Erstausstattung
184.000 Euro
ergibt sich aus:
Personalkosten,
Betriebskosten und einer Koordinatorenstelle (0,5 Vollzeitstelle)

Um dieses Modell erfolgreich umsetzen zu können, ist eine enge Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle Kindertagespflege erforderlich.
Durch die Kombination des bestehenden Vertretungsmodells des VAMV, ergänzt durch einen Pool an
angestellten Vertretungspersonen sowie einer Stützpunktgroßtagespflegestelle, kann ein bedarfsgerechtes Angebot für die Vertretung der Kindertagespflegepersonen sowohl für die Betreuung im eigenen Haushalt als auch für die Betreuung der Kinder in der Großtagespflegestelle erreicht werden.
Damit wird die Betreuungsverlässlichkeit für die Familien in Münster deutlich erhöht.
4. Qualitätsorientierte Weiterentwicklung des Leistungsfeldes Kindertagespflege
Die Novellierung des KiBiz hat u. a. die qualitätsorientierte Weiterentwicklung des Leistungsfeldes
Kindertagespflege zum Ziel gehabt. Es hat die Gleichrangigkeit der Betreuungsformen durch die neue
Struktur des Gesetzes noch einmal unterstrichen. Inhaltlich wurden bestehende Standards vertieft
und z. T. neue gesetzt. Hier sind insbesondere zu nennen:
 Frühkindliche Bildung
 Fachberatung
 Kompetenzorientierte Qualifizierung
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Die Stadt Münster hat sich bei der Weiterentwicklung der Kindertagespflege immer sehr an den bestehenden gesetzlichen Grundlagen und der aktuellen Rechtsprechung orientiert. So ist die Kindertagespflege in der Stadt Münster voll anschlussfähig an die fachlichen Weiterentwicklungen, die durch
das KiBiz vorgenommen wurden. Die Fachberatung aus einer Hand ist ein zentraler Baustein und
Erfolgsfaktor der quantitativen und qualitativen Entwicklung des Leistungsfeldes in der Stadt Münster.
In dieser Vorlage werden im Sinne einer Qualitätssicherung und -entwicklung der Phasenaufstieg mit
entsprechenden Qualitätskriterien verknüpft. Ein weiterer Bereich ist die Neuausrichtung der Qualifizierung für Kindertagespflegepersonen (siehe Anlage 5).
4.1.1 Die kompetenzorientierte Qualifizierung
Durch die Veränderungen im KiBiz wurden die Anforderungen an die Qualifizierung für Kindertagespflegepersonen ausgeweitet und weiterentwickelt. Ab dem Kitajahr 2022/2023 müssen neu beginnende Kindertagespflegepersonen gemäß § 21 KiBiz über eine Ausbildung nach dem Kompetenzorientierten Qualifizierungshandbuch Kindertagespflege (QHB, 300 Unterrichtseinheiten) verfügen.
Wesentliche Neuerungen der Qualifizierung durch das QHB sind:
 die Einführung von Praktika in Kita und Kindertagespflegestellen zur Umsetzung einer besseren Verzahnung von Theorie und Praxis.
 die stärkere Gewichtung von Themen der Existenzgründung und Selbstständigkeit
 Ausbau der frühpädagogischen Themen, resultierend aus der Gleichrangigkeit des Förderauftrags von Kita und Kindertagespflege
 Anpassung der Methodik und Didaktik an moderne Lernansätze der kompetenzorientierten
Erwachsenenbildung.
4.1.2 Landeszuschuss, Teilnahmegebühr
Das Land gewährt jedem Jugendamt einen Zuschuss in Höhe von 2.000 Euro für jede angehende
Kindertagespflegeperson mit einem QHB-Zertifikat über 300 UE (§ 46 KiBiz). Voraussetzung ist, dass
die Mittel für eine abgeschlossene QHB-Qualifizierung eingesetzt und entsprechend durch einen
Verwendungsnachweis belegt werden.
Bislang zahlen die Teilnehmer/-innen der Qualifizierungskurse einen Teilnehmerbeitrag von insgesamt 450 Euro. Um die Attraktivität der Kurse aufgrund des höheren zeitlichen Umfangs aufrecht zu
erhalten, soll der Teilnehmerbeitrag bei 1 Euro pro UE liegen, insgesamt 300 Euro für die gesamte
Qualifizierung nach dem QHB.
4.1.3 Finanzieller Mehraufwand
Die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben für die Qualifizierung entsprechend des QHB erfordert
einen finanziellen Mehraufwand. Der Stundenumfang der Ausbildung wird sich mehr als verdoppeln.
Auch sollen zeitversetzt zwei QHB-Qualifizierungen angeboten werden, um den Bedarf an Kindertagespflegepersonen zu decken. Die Kurse werden mit zwei Referent/-innen, die gemeinsam, d. h.
zeitgleich, den Kurs begleiten, im Rahmen des Teamteaching durchgeführt.
Das QHB setzt eine besondere Professionalität bei den Referenten/-innen voraus. Aufgrund der
erweiterten Anforderungen an die Referenten/-innen ist von höheren Honorarkosten auszugehen. In
der QHB-Qualifizierung bewegt sich das Referentenhonorar derzeit zwischen 50 Euro und 70 Euro
pro Unterrichtseinheit. Referent/-innen erhalten derzeit in Münster ein Honorar in Höhe von 30 Euro
pro Unterrichtseinheit und während der Qualifizierung ist i. d. R. nur ein Referent/-in anwesend.
Die Umsetzung der neuen QHB-Qualifizierung wird nach Abzug des Landeszuschusses und der
Teilnehmergebühren ca. 55.000 Euro jährlich an Mehrkosten verursachen.
4.2 Derzeitige Organisation der Qualifizierung
Mit dem Ziel, eine abgestimmte und den fachlichen Anforderungen entsprechende Qualifizierung der
Kindertagespflegepersonen in Münster anzubieten, wurde 2011 das „Netzwerk Qualifizierung KinderV/0925/2020

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tagespflege“ gegründet. Mitglieder des Netzwerkes sind die Familienbildungsstätten Münsters (Evangelische Familienbildungsstätte, Anna-Krückmann-Haus und das Haus der Familie), die VHS Münster
und die Beratungsstelle Kindertagespflege. Gemeinsam wird in einem sehr gut funktionierenden System die bisherige Qualifizierung nach DJI-Curriculum umgesetzt (160 UE) und alle weiteren Qualifizierungsangebote entwickelt.
4.3 Ausschreibungspflicht
Da die Kosten der neuen QHB-Qualifizierung über einem Gesamtwert von 10.000 Euro liegen, muss
vor Beginn der Qualifizierung eine Ausschreibung erfolgen, um dann mit dem erfolgreichen Bildungsträger die weitere Organisation der Kurse abzustimmen.
Welche Konsequenzen dies für das „Netzwerk Qualifizierung Kindertagespflege“ haben wird, ist
derzeit unklar.
4.4 Rolle der Fachberatung im Rahmen des QHB
Zusätzlich zur Eignungsüberprüfung ist eine ausführliche Beratung mit erster Eignungseinschätzung
der Teilnehmer/-innen vor Beginn der QHB-Qualifizierung notwendig.
Der kompetenzorientierte Ansatz erfordert eine inhaltliche und methodische Auseinandersetzung der
Fachberatung mit dem QHB. Eine enge Verbindung von Fachberatung und Qualifizierung ist für eine
kompetenzbasierte Einschätzung und Begleitung der Kindertagespflegepersonen eine wichtige Voraussetzung.
Die Begleitung der Praktika wird in den Händen der Beratungsstelle für Kindertagespflege liegen.
Die Fachberatung erlebt die Kindertagespflegeperson am Kind und kann den Kompetenzzuwachs
unterstützen. Für die Fachberatung kann diese Begleitung der Praktika ein wichtiges Werkzeug für
die Qualitätssicherung des zukünftigen Betreuungsangebots der Kindertagespflegeperson sein.
5. Finanzielle Auswirkungen bei der Umsetzung der Vorschläge zum Finanzierungskonzept
der leistungsorientierten Bezahlung, zum Ausbau des Vertretungssystems sowie zur
Qualitätsorientierten Weiterentwicklung des Leistungsfeldes Kindertagespflege
Für die Umsetzung des neuen Finanzierungskonzepts, des Vertretungssystems und der kompetenzorientierten Qualifizierung entstehen der Stadt Münster für das erste Kindergartenjahr rd. 1.495.000 €
an Mehrkosten. In den Folgejahren erhöhen sich diese Kosten durch die jährliche Steigerung der Beträge.
Tabelle: Übersicht der Kosten aller neuen Vorschläge und der Mehreinnahmen durch die KiBizReform (ohne Berücksichtigung der Steigerungskosten)
Transferaufwendungen
p. a.
Finanzierungsmodell

Zuwendungen
p. a.

Kommunaler Zuschuss
p. a.

-1,5 Millionen Euro
Sachaufwand
+3,0 Millionen Euro
Fördergeldleistung

400.000 Euro
Erhöhung des Landeszuschusses

1.100.000 Euro

Ausbau des
Vertretungssystems

340.000 Euro

0 Euro

340.000 Euro

Kompetenzorientierte
Qualifizierung
(2 Kurse)

110.000 Euro

55.000 Euro
Landesförderung und
Teilnehmerbeiträge

55.000 Euro

1.950.000 €

455.000 Euro

1.495.000 Euro

Zusätzlich entstehen für den Ausbau des Vertretungssystems einmalig investive Kosten in Höhe von
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149.000 € für Umbaukosten und Erstausstattung.
Die Kosten wären insgesamt wie folgt zu veranschlagen:
Teilergebnisplan

Produktgruppe

Zeile

Haush.jahr

Betrag
€

Zuwendungen und allgemeine Umlagen

2021
2022
2023
2024ff.

+189.580
+457.000
+459.000
+461.000

Transferaufwendungen

2021
2022
2023
2024ff.

812.500
2.043.000
2.265.000
2.359.000

Nr.

Bezeichnung

0601

Förderung von Kindern in
Tagesbetreuung

02

15

Bemerkungen

Ausgangswerte:
400.000 EUR Landeszuschuss (2021
anteilig 5/12, ab 2022
inkl. Kostensteigerung)
55.000 EUR Landesförderung und Teilnehmerbeiträge (2021
anteilig 5/12, ab 2022
inkl. Ertragssteigerung
von 1%)
Ausgangswerte
+1.500.000 EUR/ Jahr
Fördergeldleistung
+340.000 EUR/ Jahr
Ausbau Vertretungssystem
+110.000 EUR
Kompetenzorientierte
Qualifizierung (2021
anteilig 5/12; ab 2022
inkl. Kostensteigerung)

Es ergäbe sich ein erhöhter Zuschussbedarf in Höhe der jeweiligen Differenz zwischen zusätzlichen
Erträgen und Aufwendungen in der für die einzelnen Jahre genannten Beträge.
Teilfinanzplan
Nr.

Bezeichnung

Produktgruppe

0601

Investitionsmaßnahme
Auszahlungen

NEU

Förderung von Kindern in Tagesbetreuung
KTP - Ausbau des Vertretungssystems

09

Summe aller Auszahlungen/Saldo

Haush.jahr

2021

Betrag
€

Bemerkungen

149.000

einmalige Kosten

149.000

Zusätzlich entstünden noch nicht bezifferbare Kosten für eine Software, die für die technische Umsetzung des Finanzierungskonzeptes erforderlich ist.
Stellungnahme des Finanzdezernates:
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Wie im Punkt 5 der Berichtsvorlage dargestellt, entstünden Belastungen im Ergebnisplan des städtischen Haushalts über die Jahre 2021 bis 2024 von rund 6 Mio. Euro. Diese Belastungen wären in
vollem Umfang zusätzlich, das heißt, sie sind bisher im Haushalt 2021-2024 nicht enthalten und führten zu einem weiteren Verzehr des Eigenkapitals, konkret der allgemeinen Rücklage. In den Planungsjahren 2023 und 2024 muss jedoch ein weiterer Abbau des Eigenkapitals unter allen Umständen vermieden werden, um der Verpflichtung zur Aufstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes zu
entgehen. Das bedeutet: Nur wenn an anderer Stelle im städt. Haushalt eine Kompensation erfolgt,
kann der Haushalt die zusätzlichen Belastungen aus dieser Berichtsvorlage tragen.
6. Zusammenfassung
Die dargestellten Weiterentwicklungen entsprechen den gesetzlichen Anforderungen, sichern und
steigern die Qualität der Kindertagespflege und tragen so zu einer weiteren Professionalisierung des
Feldes bei. Zudem fördert die Umsetzung des Gesamtkonzeptes den qualitativen und quantitativen
Ausbau der u3-Plätze in der Kindertagespflege.
Das Finanzierungskonzept basiert auf dem Grundsatz, dass die erbrachte Leistung finanziert wird.
Dieses ist leistungsgerecht, angemessen, transparent, innovativ und durch viele mögliche Stellschrauben zukunftssicher.
Der Ausbau des Vertretungssystems stärkt die Verlässlichkeit der Kindertagespflege.
Mit der Einführung der Qualifizierung nach dem QHB steigen nicht nur die Anforderungen, sondern
auch entsprechend die Qualität der Betreuung. Der Fachberatung kommt dabei eine wichtige Funktion bei der kontinuierlichen Begleitung des Kompetenzzuwachses der Kindertagespflegeperson zu.
Die Summe der notwendigen Mittel für die Weiterentwicklung des Leistungsfeldes Kindertagespflege
ist in der o. g. Tabelle dargestellt. Die hierfür insgesamt benötigten Mittel sind im Haushaltsplanentwurf 2021ff. nicht veranschlagt.

I.V.

Thomas Paal
Stadtdirektor

Anlagen
Anlage A
Anlage 1: Ratsantrag der CDU-Fraktion und der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen/ GAL vom
25.06.2019
Anlage 2: Etatantrag des Netzwerks Kindertagespflege vom 05.07.2019
Anlage 3: Finanzierungskonzept für die Kindertagespflege in Münster
Anlage 4: Vertretungssystem für die Kindertagespflege in Münster
Anlage 5: Umbau der Qualifizierung in der Kindertagespflege in Münster

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