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Microsoft Word - 20190531 Bildungsbericht Veröffentlichung mit Codierung Druckfassung (2).docx

                                    
                                        Bildungsbericht
zum Stand der Indexbildung
als Monitoringverfahren im Übergang
„Kindertageseinrichtung – Grundschule“
Startbedingungen von Kindern zu Beginn der Schullaufbahn

Impressum
Herausgeberin:

Stadt Münster
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien
Amt für Schule und Weiterbildung

Redaktion:

Silke Thesing, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien
Rita Peters, Amt für Schule und Weiterbildung

Daten/Grafiken/Tabellen

Dr. Axel Iseke, Gesundheits- und Veterinäramt
Uwe Noetzel, Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und
Verkehrsplanung

Druck:

Stadt Münster, Expedition und Druck

Stand: 31.05.2019

2

Inhalt
1. Einführung ....................................................................................................................... 5
1.1. Ziele des Berichtes und thematische Einführung .................................................................. 5
1.2. Rechtliche Einordnung ......................................................................................................... 6
1.3. Standortbestimmung ............................................................................................................ 6
1.3.1. Arbeitsgemeinschaft „Kooperation Kita – Grundschule“ ................................................ 7
1.3.2. Sprachstandsfeststellung zwei Jahre vor der Einschulung ............................................. 7
1.3.3. Anerkennungsjahr in der Offenen Ganztagsschule ........................................................ 8
1.3.4. Elternbefragung ............................................................................................................. 8
1.3.5. Datenquellen – Berichtsstruktur ..................................................................................... 9

2. Übergang im Kontext der kindlichen Bildungsbiografie .................................................... 9
2.1. Übergänge im Entwicklungsverlauf ....................................................................................... 9
2.2. Bewältigungsstrategien – Das Kind als Akteur seiner Lebens- und Bildungsbiografie ........ 10
2.3. Bildungsbegleiter – Rolle der Erzieher/Erzieherinnen und Lehrkräfte ................................. 10
2.4 Unterschiedliche Voraussetzungen – Chancen und Risiken ................................................ 11

3. Bildungsindex – Entwicklung und Aufbau ...................................................................... 11
3.1. Chancen und Risiken im Verlauf der Bildungsbiografie....................................................... 11
3.1.1. Bildung und Armut........................................................................................................ 11
3.1.2. Bildung und Besuchsdauer in Kindertageseinrichtungen .............................................. 12
3.1.3. Bildung und Sprache .................................................................................................... 12
3.1.4. Bildung und Erziehungskompetenz von Eltern ............................................................. 12
3.2. Bildungsindex – Kennzahlenbeschreibung ......................................................................... 13
3.2.1. Armut (Sozioökonomischer Status) .............................................................................. 13
3.2.2. Institutionelle Förderung (Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung vor der
Einschulung) .......................................................................................................................... 13
3.2.3. Sprache (Sprachkompetenz/Sprachfähigkeit im Kontext der
Schuleingangsuntersuchung) ................................................................................................. 14
3.2.4. Erziehungskompetenz (Elterliche Förderung im Kontext der
Schuleingangsuntersuchung) ................................................................................................. 14
3.3. Bildungsindex – Methodische Umsetzung .......................................................................... 14
3.3.1. Datennormierung / Datenherkunft ................................................................................ 15
3.3.2. Muster der Datenberechnung ....................................................................................... 16

4. Bildungsindex – Auswertung .......................................................................................... 17
4.1. Kernaussagen zum Bildungsindex ...................................................................................... 19
4.2. Auswertungsmöglichkeiten Teilindizes ............................................................................... 20
4.3. Auswertungsmöglichkeiten Sozialraumbetrachtung – Räumliche Ebenen .......................... 20
4.4. Qualitätsentwicklungsprozess auf der Verfahrensebene..................................................... 22

3

Abbildungen
Abbildung 1: Konzept Bildungsindex ............................................................................................. 15
Tabellen
Tabelle 1: Beispielschule .............................................................................................................. 16
Tabelle 2: Legende Bildungsindex ................................................................................................ 17
Tabelle 3: Bildungsindex der Grundschulen in Münster ................................................................ 19
Tabelle 4: Bildungsindex, sozialräumliche Auswertung ................................................................. 22

4

1. Einführung
1.1. Ziele des Berichtes und thematische Einführung
Bildung ist ein lebenslanger Prozess und die Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und
Integration. Der individuelle, lebenslange Bildungsweg ist gekennzeichnet durch vielfältige Übergänge und bedarf der wohlwollenden und strukturierten Kooperation aller an Bildung, Erziehung
und Betreuung beteiligten Institutionen, Einrichtungen und Akteure. Der vorliegende Bericht beleuchtet den grundlegenden Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule.
Im Rahmen des Projektes „Bildung Integriert“ finden der Aufbau eines systematischen Bildungsmonitorings und die Einführung der Bildungsberichterstattung statt. Hintergrund für diese Bemühungen ist das Ziel, Kinder, Jugendliche und Familien in ihren Bildungsbiografien frühzeitig und
kontinuierlich zu unterstützen. Dabei setzt das Projekt maßgeblich auf die enge Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule.
Die Entwicklung eines Bildungsindex für den Übergang von der Kindertageseinrichtung in die
Grundschule stellt ein Arbeitsergebnis der Kooperation zwischen dem Amt für Schule und Weiterbildung und dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien dar. Im Rahmen des integrierten
Bildungsmonitorings ist der Bildungsindex weiterhin in Kooperation mit dem Gesundheits- und Veterinäramt sowie dem Amt für Stadtentwicklung/-planung und Verkehrsplanung realisiert worden.
Die vorhandenen Daten über die Schul- und Bildungssituation wurden mit Schuleingangsdaten und
Daten zur Bevölkerung in Beziehung gesetzt, um für Münster einen datengestützten „Bildungsindex Übergang Kita – Grundschule“ zu realisieren. Dieser Bildungsindex zeigt differenzierte, sozioökonomische Rahmenbedingungen auf, innerhalb derer Bildung im Übergang Kita – Grundschule
stattfindet. Mithilfe des Bildungsindexes könnten sich im Rahmen einer regelmäßigen Fortschreibung Bildungsdaten und Bildungsteilhabe langfristig verfolgen lassen.
Ziele dieses Berichtes sind:
•
•
•
•
•

Stadtteile und Quartiere im Hinblick auf bildungsbiografische Befunde im
„Übergang Kindertageseinrichtung und Schule“ zu identifizieren,
entscheidungsrelevante Kennzahlen aus der Breite des Datenfeldes zu
einem steuerungsrelevanten Bildungsindex zu verarbeiten,
Entwicklungsperspektiven von Jugendhilfe und Schule in der Schnittstelle
zum „Übergang Kindertageseinrichtung – Grundschule“ zu optimieren,
eine vernetzte Planung und ergebnisorientierte Zusammenarbeit aller am
Übergang Beteiligter zu fördern und
Grundlagen für gemeinsame Lösungsvorschläge und Maßnahmenplanungen zu liefern.

Der Bericht „Bildungsübergänge Kindertageseinrichtung1– Grundschule“ strebt ein ausgewogenes
Verhältnis zwischen der Generierung von Daten sowie deren Analyse und Interpretation an.
So beleuchtet er datenbasiert, was Bildungsverläufe fördert oder gefährdet. Dies geschieht durch
einen für Münster neu entwickelten Bildungsindex, für den in der Entstehung regionale und überregionale Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen berücksichtigt wurden. Die aufbereiteten
Daten können im Diskurs mit den Fachämtern die gelingenden Bedingungen von Bildung akzentuieren, Erkenntnisse ableiten und als Grundlage für die Entwicklung von Maßnahmen, Zielen und
Aufgaben genutzt werden.

1

Kindertageseinrichtung = Kita
5

Des Weiteren dient der vorliegende Bildungsindex den Fachplanern/Fachplanerinnen und Fachcontroller/Fachcontrollerinnen der Ämter zur Steuerung und Maßnahmenplanung für den institutionellen Übergang Kita – Grundschule. Er soll einer notwendigen, differenzierten Diskussion eine
faktische Grundlage geben, um eine fachliche Expertise und entsprechende Handlungsempfehlungen abzuleiten. Auch eröffnet der Bildungsindex die Möglichkeit, Kennzahlen zu Leistungsmessungen zu liefern und im Rahmen von Qualitätsentwicklung und -sicherung zu nutzen. Darüber
hinaus bietet der Bildungsindex eine datengestützte Grundlage, um fachpolitische Entscheidungen
zu treffen.
Der Bildungsindex erfüllt den Auftrag, datenbasierte Grundlagen für die pädagogischen Herausforderungen des Übergangs von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule zu liefern. Derzeit
beziehen sich die fachlichen Notwendigkeiten aus der Beschlussvorlage „Weiterentwicklung der
Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen“ (V/0888/2017), der
Beschlussvorlage „Übergang von der Kita in die Grundschule am Beispiel der Sozialräume Coerde
und Südviertel“ (V/0902/2017) und den Ratsbeschluss zur Vorlage Qualitätsoffensive „Offene
Ganztagsschule“, Zwischenbericht und weiteres Verfahren (V/0366/2017).
1.2. Rechtliche Einordnung
Im folgenden Abschnitt werden die rechtlichen Rahmenbedingungen, unter denen der Übergang
von der Kindertageseinrichtung zur Grundschule erfolgen soll, dargestellt. Der Gesetzgeber hat
diesbezüglich sowohl im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) als auch im Schulgesetz NRW entsprechende Regelungen getroffen. Beide Gesetze schaffen die Grundlage für eine integrierte Übergangsgestaltung zwischen Kindertageseinrichtung und Grundschule.
Im § 14 KiBiz sind Ausführungen zu Kooperationen und zum Übergang geregelt. Der Gesetzgeber
formuliert dabei insbesondere eine gemeinsame Verantwortung von Kindertageseinrichtungen und
Grundschule für die beständige Förderung des Kindes und seinen Übergang in die Grundschule.
Diese Zusammenarbeit gestaltet sich unter anderen über eine kontinuierliche gegenseitige Information, eine fortlaufende Förderung der Entwicklung der Kinder, gegenseitige Hospitationen, feste
Ansprechpersonen in beiden Institutionen, gemeinsame (Informations-)Veranstaltungen für die
Eltern und Familien der Kinder, gemeinsame Konferenzen zur Gestaltung des Übergangs in die
Grundschule und gemeinsame Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen der Fach- und Lehrkräfte.
Weitere Ausführungen zum Übergang sind im Schulgesetz den §§ 5 Abs. 1, 11 Abs. 1 und 36 für
das Land Nordrhein-Westfalen (Schulgesetz NRW, SchulG) dargelegt. Die Bildungsinstitution
Schule kooperiert zur Erfüllung des schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrages und bei der
Gestaltung des Übergangs von den Tageseinrichtungen für Kinder in die Grundschule miteinander.
Bedeutsam für die Übergangsgestaltung ist auch, dass der Schulträger gemeinsam mit den
Tageseinrichtungen für Kinder und den Grundschulen eine Informationsveranstaltung für Eltern
durchführt. Diese Veranstaltung richtet sich an Eltern, deren Kinder in zwei Jahren eingeschult
werden und informiert unter anderem über Fördermöglichkeiten und Bildungsprozesse.
Insbesondere wird der Förderung der Sprachkompetenz der Kinder ein größeres Gewicht beigemessen (vgl. 1.3.2 Sprachstandsfeststellung).
1.3. Standortbestimmung
Im Rahmen der integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung wird seit vielen Jahren
intensiv an der Schnittstelle zum Übergang gearbeitet. Die frühzeitige und kontinuierliche Begleitung der Bildungsbiografie ist ein wesentliches Leitziel. Darüber hinaus werden ressourcenorientiert Rahmenbedingungen geschaffen und Maßnahmen initiiert, die jedem Kind und jedem/jeder
Jugendlichen die Möglichkeit geben sollen, das individuelle Bildungspotential, unabhängig von der
sozialen Herkunft, auszuschöpfen.

6

Eine Kooperation zur Übergangsgestaltung der Kindertageseinrichtungen und Grundschulen in
Münster hat sich überall entsprechend der sozialräumlichen Strukturen und Gegebenheiten entwickelt. Durch die unterschiedlichen Strukturen und Gegebenheiten sind die Fachkräfte vor Ort fortlaufend gefordert, ihr Übergangsmanagement weiter zu entwickeln. Es liegen zahlreiche gute Beispiele für die Übergangsgestaltung vor.
Der gesetzliche Auftrag an Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, im Interesse der Förderung von Kindern zusammenzuarbeiten, zeigt sich in Münster in verschiedenen Kooperationsstrukturen, Arbeitsgremien, sowie Arbeitsmitteln, die im Folgenden dargestellt werden.
1.3.1. Arbeitsgemeinschaft „Kooperation Kita – Grundschule“
Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Kooperation Kita – Grundschule setzt sich aus einem interdisziplinären Team zusammen.
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien:
• Abteilungsleitung Tagesbetreuung für Kinder
• Konzeptionelle Grundsatzangelegenheiten Kindertageseinrichtungen
• Fachberatung der Offenen Ganztagsschulen
• Leiter/Leiterin einer Kindertageseinrichtung
Amt für Schule und Weiterbildung:
• Abteilungsleitung Integration, Bildungsberatung und Schulsozialarbeit
• Zentrale Anlauf-, Beratungs- und Clearingstelle/Bildungsberatung
• Vertreter/Vertreterinnen der Grundschulen
• Schulpsychologie
Schulamt für die Stadt Münster:
• Schulamtsdirektor/Schulamtsdirektorin
1.3.2. Sprachstandsfeststellung zwei Jahre vor der Einschulung
Durch das zum 01.08.2014 in Kraft getretene „Gesetz zur Änderung des Kinderbildungsgesetzes
und weiterer Gesetze“, mit dem auch der § 36 Abs. 2 Schulgesetz NRW angepasst worden ist,
liegt die Feststellung der sprachlichen Entwicklung und die sich daraus ergebende Förderung der
Kinder, die eine Kindertageseinrichtung besuchen, in der Verantwortung der Kindertageseinrichtung selbst.
Die Änderungen im Kinderbildungsgesetz führten zu einer wesentlichen Weiterentwicklung der
vorherigen Maßnahmen zur Feststellung der Förderung von kindlichen Sprachkompetenzen. An
die Stelle punktueller Sprachstandserhebungen (Delfin 4) für alle Kinder dieser Altersgruppe traten
Verfahren zu entwicklungs- und prozessbegleitenden Beobachtungen der Sprachkompetenzen.
Die Sprachbildung orientiert sich seitdem sowohl an der Lebenserfahrung als auch an den individuellen Lebenslagen der Kinder und findet integriert im pädagogischen Alltag statt.
Für Kinder, die keine Kita besuchen, und Kinder, deren Eltern der Bildungsdokumentation in der
Kita nicht zugestimmt haben, wird die sprachliche Entwicklung mit dem Verfahren „Delfin 4“ durchgeführt. Wird auf der Grundlage der durchgeführten Tests zum Sprachstand bei einem der beschriebenen Kinder ein Bedarf an Sprachförderung festgestellt, wird den Eltern empfohlen, ihr Kind
in einer Kita anzumelden. Kommen die Eltern dieser Empfehlung nicht nach, so werden sie vom
Schulamt verpflichtet, ihr Kind an einer vorschulischen Sprachfördermaßnahme in einem Familienzentrum teilnehmen zu lassen.

7

Zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben zur Feststellung des Sprachstandes habe sich seit Jahren verlässliche Kooperationsstrukturen zwischen dem Amt für Schule und Weiterbildung, dem
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien und dem Schulamt für die Stadt Münster etabliert.
1.3.3. Anerkennungsjahr in der Offenen Ganztagsschule
Als weitere Maßnahme sind in den Offenen Ganztagsschulen der Stadt Münster für Erzieher/Erzieherinnen im Anerkennungsjahr 16 Stellen zum Schuljahr 2018/2019 eingerichtet. In diesen Ausbildungsstellen werden Nachwuchskräfte speziell für das erzieherische Handlungsfeld im
Kontext Jugendhilfe und Schule ausgebildet.
Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist auf den „Übergang Kita – Grundschule“ gerichtet.
Die Stellen sind unter folgenden Rahmenbedingungen eingerichtet:
•
•

Vollzeitstelle, 39 Wochenstunden (vormittags Unterricht, ab 11.30 Uhr in der OGS)
Anleitung erfolgt i. d. R. durch die Koordination der OGS

1.3.4. Elternbefragung
Das Amt für Schule und Weiterbildung hat 2017 im Rahmen der Schulentwicklungsplanung (SEP)
eine Elternumfrage durchgeführt. Zielgruppe dieser Befragung waren u. a. die Eltern, die ihr Kind
zum Schuljahr 2017/2018 an einer Grundschule in Münster angemeldet haben. Es wurden somit
dezidiert Daten zum „Übergang Kindertageseinrichtung – Grundschule“ in Bezug auf das Anmeldeverfahren an der Grundschule und die darüber hinaus bestehenden Einschätzungen und Wünsche der Eltern erhoben. Weiterhin wurden auch qualitative Aspekte der SEP sowie Angebote der
Jugendhilfe in Schulen im Sinne einer integrierten Jugendhilfe und Schulentwicklungsplanung abgefragt.
Ziel ist es, die Ergebnisse der Elternbefragung verknüpft mit der fortlaufend aktualisierten Schülerprognose, der kleinräumigen Bevölkerungsprognose 2025 sowie der Entwicklung in den Umlandgemeinden in die quantitative und qualitative Schulentwicklungsplanung einfließen zu lassen.
Mit einer Rücklaufquote von 44,8 % zum Fragebogen „Übergang Kindertageseinrichtung –
Grundschule“ stellt die Elternumfrage 2017 eine valide und repräsentative Datengrundlage dar. Zu
den grundlegenden Ergebnissen lässt sich in Auszügen kurz zusammengefasst Folgendes festhalten:
•
•

•

Das Grundschulangebot in Münster wird im Durchschnitt mit „gut“ bewertet.
Nahezu alle Eltern haben angegeben, dass das Kind an der gewünschten Grundschule
aufgenommen werden konnte. Der wichtigste Aspekt bei der Grundschulauswahl war die
fußläufige Entfernung, als Informationsquellen wurden von einem Hauptteil der Befragten
Freunde und Bekannte sowie der Tag der offenen Tür an Grundschulen genannt.
Der überwiegende Teil der Eltern wünscht sich als Betreuungsangebot für ihr Kind die
Offene Ganztagsschule (OGS). Diesem Wunsch konnte nach Angabe der Befragten auch
in fast allen Fällen nachgekommen werden.

Ca. 1/3 der Eltern benötigt für das Kind weiterhin wochentags eine Randzeitenbetreuung vor 08:00
Uhr oder nach 16:00 Uhr. Auch die Ferienzeitbetreuung, ob mit bereits bestehendem OGSBetreuungsangebot oder ohne, wird von einem großen Teil der Eltern nachgefragt.
Bezüglich weitergehender Ausführungen wird auf den Bericht zur Elternumfrage 2017 verwiesen
(einsehbar im Ratsinformationssystem der Stadt Münster, Vorlage V/0072/2018 „Schulentwicklungsplanung – Bericht zur Elternumfrage 2017“).

8

1.3.5. Datenquellen – Berichtsstruktur
Das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien und das Amt für Schule und Weiterbildung verfügen
über ein etabliertes, fundiertes und jährlich erscheinendes Berichtswesen.
Es erscheinen jährlich der „Bericht zur Tagesbetreuung“ und die „Schulstatistik“. Hierbei handelt es
sich um Berichtsstrukturen, die fortlaufend und systematisch Grundinformationen zur Bildung liefern. Die Einzel- und Fachberichte liefern Kern- und Überblicksdaten und unterstützen die fortlaufende Bestandserhebung, Steuerung und Maßnahmenplanung beider Ämter. Insbesondere werden die Daten verstärkt in der Schnittstelle einer integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung genutzt.

2. Übergang im Kontext der kindlichen Bildungsbiografie
Das folgende Kapitel beschreibt Grundlagen des Übergangs (auch Transition genannt) aus der
Perspektive des Kindes und der Eltern. Das Kapitel dient dem Verständnis dieser Entwicklungsphase, insbesondere im Kontext der Bildungsbiografie und der Herleitung des in Kapitel 4 dargestellten Bildungsindex.
2.1. Übergänge im Entwicklungsverlauf
Kinder durchlaufen in ihrer Entwicklung eine Vielzahl von Übergängen. Klassische Übergänge sind
der erste Wechsel von der Familie in die Tagespflege oder Kindertageseinrichtung, der Übergang
von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule und danach in die weiterführende Schule. Als
kritisches Lebensereignis kann sich dieser Übergang positiv oder negativ auf die Entwicklung und
Bildungsbiografie eines Kindes auswirken.
Ein Meilenstein in der Bildungsbiografie von Kindern ist der Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule. Diese gesellschaftlich initiierte Entwicklungsaufgabe ist für Kinder und
ihre Eltern eine besondere Herausforderung. Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule
ist ein länger andauernder Prozess. Der zeitliche Korridor beginnt weit vor Beginn der Einschulung
und reicht individuell lang in die Schulzeit hinein.
Für jedes Kind im Übergang von der Kita in die Grundschule stellen sich individuelle Entwicklungsaufgaben. Diese Entwicklungsaufgaben werden von verschiedenen Emotionen begleitet. Neben
Stolz, Freude und Neugier gehören auch Befürchtungen und Ängste zum Erleben von Kindern.
Das Kind muss sich mit neuen Anforderungen auseinandersetzen. So steht es vor der Aufgabe, im
Rahmen des Schulalltags Leistungsanforderungen, neue Regeln und Verhaltensweisen in einem
veränderten Tagesablauf zu erfüllen. In diesem Zusammenhang werden vielfältige Erwartungen an
das Kind gestellt, die sich deutlich vom Kindergartenalltag unterscheiden. Weiterhin gilt es, verschiedene Lebenskontexte miteinander in Einklang zu bringen. Familie, Schule und Freizeit müssen neu aufeinander abgestimmt werden.
Wo die Lebenswelt Kindergarten eher mit Freiräumen und Entscheidungsspielräumen verknüpft
war, ist das Kind in der Lebenswelt Schule mit der Einhaltung von Vorgaben, Regeln und
Leistungsanforderungen konfrontiert. So ist im Erleben von Kindern die Kindergartenzeit eher mit
„können“ besetzt und die Schulzeit mit „müssen“.
Neben diesen individuellen Veränderungen verändert sich auch maßgeblich das Beziehungsgefüge des Kindes. Es muss sich zwangsweise von wichtigen Bezugspersonen verabschieden, die es
häufig über mehrere Jahre begleitet haben.
Vielleicht wird das Kind mit Kindern aus dem eigenen Kindergarten eingeschult, was im Übergangsprozess unterstützend sein kann. Darüber hinaus wird das Kind jedoch vor der Aufgabe stehen, neue soziale Beziehungen zu Mitschülern/Mitschülerinnen zu knüpfen, die es noch nicht
kennt.

9

Auch für Eltern ist der Übergang ihres (ersten) Kindes vom Kindergarten in die Grundschule ein
besonderes Ereignis und mit Anforderungen verknüpft. Eltern sind für Kinder eine enorme Ressource, denn sie bleiben dem Kind auch im Übergang eine Konstante. Trotzdem ist zu berücksichtigen, dass auch Eltern in dieser Phase des Übergangs mit vielfältigen Emotionen konfrontiert sind.
Sie befinden sich in einer Art Doppelrolle, denn sie begleiten ihr Kind im Übergang und müssen
den Übergang auch selbst bewältigen. Für sie selbst vollzieht sich dabei unter anderem eine Veränderung im Hinblick auf Identität und Rollenbild. Sie stehen zukünftig in der Verantwortung für
den Schulerfolg ihres Kindes und müssen lernen, ihre Leistungserwartungen an das Lernvermögen ihres Kindes anzupassen. Auch die Vereinbarkeit von Familie, Schule und Erwerbsleben stellt
Eltern vor neue Aufgaben (vgl. Griebel und Niesel 2013; Übergänge verstehen und begleiten;
Struktur der Entwicklungsaufgaben; S.119).
Zusammenfassend erschließt sich, dass der Übergang für das Kind (und seine Eltern) eine anspruchsvolle Entwicklungsaufgabe ist, für die angemessene Bewältigungsstrategien erforderlich
sind, um diese Phase kompetent zu bewältigen.
Im Folgenden werden entsprechende Bewältigungsstrategien des Kindes im Übergang dargestellt.
2.2. Bewältigungsstrategien – Das Kind als Akteur seiner Lebens- und Bildungsbiografie
Kinder verfügen für die Gestaltung ihrer vielschichtigen Lebenswelten über enorme Stärken. Die
Herausforderungen im Hinblick auf den Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Schule
können dabei entwicklungsfördernd wirken, aber auch als beängstigend und beunruhigend erlebt
werden.
Die Bewältigung des Übergangs in die Grundschule und die dabei zu lösenden Entwicklungsaufgaben sind wegweisend für den Umgang mit späteren Umbrüchen. Ob Entwicklungsaufgaben als
Chance begriffen oder aber als bedrohlich erlebt und verarbeitet werden, hängt maßgeblich davon
ab, welche Rahmenbedingungen Kinder vorfinden. Die individuellen Ressourcen des Kindes, wie
zum Beispiel eine positive Einstellung zur Schule, eine erkennbare Anstrengungsbereitschaft und
Freude, etwas Neues zu lernen, können den Übergang positiv beeinflussen. Bedeutend ist ebenfalls das Selbstkonzept des Kindes, welches Hinweise darauf gibt, wie ein Kind sich sieht und ob
es sich als wertvoll und selbstwirksam einschätzt. Die Familie stellt eine bedeutende Ressource
dar, sofern sie dem Kind einen stabilen, emotionalen Rückhalt gibt. Die Befunde der Bindungsforschung flankieren die These, dass die Familie ein bedeutender Schutzfaktor auf interaktionaler
Ebene ist (vgl. Eckert und Hanke; Übergänge ressourcenorientiert gestalten: Von der Kita in die
Grundschule; S.65).
Das Wissen um die Chancen und Risiken im Bewältigungsverhalten eröffnet vielfältige Anknüpfungspunkte, um Kinder in der aktiven Lebensbewältigung dieses Übergangs zu unterstützen und
zu stärken sowie einen Beitrag zu leisten, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu fördern.
Die Kindertageseinrichtung und die „neue“ Grundschule können die Bewältigung des Übergangs
positiv beeinflussen und gestalten, wenn Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte den Unterstützungsbedarf im Übergang erkennen und anschlussfähige, gemeinsame Maßnahmen des
Übergangs für das Kind bereitstellen.
Die in diesem Zusammenhang bestehende Rolle der pädagogischen Fachkräfte als „Bildungsbegleiter“ wird im nächsten Kapitel beleuchtet.
2.3. Bildungsbegleiter – Rolle der Erzieher/Erzieherinnen und Lehrkräfte
Erzieher/Erzieherinnen und Lehrkräfte können in Kooperation und Ko-Konstruktion einen wesentlichen Beitrag dazu leisten,dass Übergänge gelingen, Kindergartenkinder zu Schulkindern und Eltern eines Kindergartenkindes zu Eltern eines Schulkindes werden. (vgl. Griebel und Niesel 2013;
Übergänge verstehen und begleiten; Struktur der Entwicklungsaufgaben; S.116).

10

Erzieher/Erzieherinnen und Lehrkräfte sind bedeutende Ressourcen, denn sie müssen den Übergang nicht selbst bewältigen und können das Kind und dessen Eltern aktiv bei diesem Übergang
aus ihrer Profession heraus unterstützen. Die zentrale Kompetenz aller beim Übergang beteiligten
Bildungsbegleiter/-begleiterinnen liegt darin, die Stärken des Kindes zu sehen, die Risiken des
Aufwachsens zu erkennen und die Umgebungsressourcen so zu erzeugen, dass der Übergang
gelingt.
2.4 Unterschiedliche Voraussetzungen – Chancen und Risiken
Jedes Kind steht vor der Aufgabe, den Übergang zu bewältigen. Neben den bereits beschrieben
Anforderungen an einen gelingenden Übergang, bringt jedes Kind unterschiedliche Voraussetzungen mit. Soziale, emotionale und leistungsbezogene Fähigkeiten und Kompetenzen der einzuschulenden Kinder sind heterogen.
Die unterschiedlichen Kompetenzen und Lebenskontexte haben deutlichen Einfluss auf die Bildungschancen und die Bildungsteilhabe von einzuschulenden Kindern. Der in Kapitel 4 entwickelte
Bildungsindex stellt den Zusammenhang zwischen Startbedingungen vor der Einschulung und
entsprechenden Daten her und liefert messbare Ergebnisse über die Stärken und Risiken von Kindern im Übergang zwischen Kindertageseinrichtung und Schule. Aufgrund dieser Erkenntnisse
können zielgerichtete Maßnahmen für Bildungsbegleiter entwickelt und umgesetzt werden.

3. Bildungsindex – Entwicklung und Aufbau
Im folgenden Kapitel wird der für Münster entwickelte Bildungsindex in seiner Notwendigkeit, Herleitung und Zusammensetzung erläutert.
Der Bildungsindex gibt insbesondere einen Hinweis darauf, inwieweit Kinder in einem bildungsungewohnten Umfeld aufwachsen bzw. familiäre Schwierigkeiten und Umfeldbelastungen die Bildungsteilhabe erschweren. Ein Index, der kennzahlengestützt die Chancen und Risiken im Verlauf
der Bildungsbiografie von Kindern darstellt, kann dabei insbesondere die bereits in Kapitel 1.3.
beschriebenen, integrierten Arbeitsebenen unterstützen und Hinweise auf weitere Handlungsschritte geben. Die Steuerung des Übergangs von der Kindertageseinrichtung zur Grundschule
kann mit Hilfe des Bildungsindexes zielgerichteter erfolgen.
3.1. Chancen und Risiken im Verlauf der Bildungsbiografie
„Die Zukunfts-Chancen der Kinder und Familien werden zunehmend und systematisch entlang
sozialer, räumlicher und institutioneller Barrieren verteilt. Die „Platzkarten“ für die Gesellschaft
werden sehr früh vergeben! Von diesen sind in benachteiligten Quartieren, Kitas und Schulen nur
wenig vorhanden.“2
Die wichtigsten Faktoren, die über ein Gelingen oder Nicht-Gelingen des Übergangs entscheiden,
sind in den folgenden Abschnitten beschrieben.
3.1.1. Bildung und Armut
Als ein entscheidender Faktor für Chancenungleichheit ist die Armut von Kindern zu sehen. Der
Bericht „Kinderarmut in Deutschland: Eine drängende Handlungsaufforderung an die Politik“ des

2

Volker Kersting (Ruhr-Universität Bochum, interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung (ZEFIR),http://www.transferagentur-nordrhein-westfalen.de/fileadmin/Dateien/TransferJournal/2Transferjournal/Transferjournal2-klein_Internet.pdf

11

Bundesjugendkuratoriums3 hebt hervor, dass arme Kinder in zentralen Lebensbereichen überproportional von Einschränkungen betroffen sind, und verweist hierbei auf die AWO/ISS-Studie „Gute
Kindheit – schlechte Kindheit“4. Kinder in Armutslagen verfügen über geringere Gestaltungsspielräume und Entfaltungschancen als Kinder, die nicht in armen Familien leben. Dies zeigt sich insbesondere in der Einschränkung an der Teilnahme an außerinstitutionellen Angeboten wie
Schwimm-, Sport- und Musikkurse, der Ausstattung mit neuen Medien (Computer, Lernsoftware)
bis hin zu Nachhilfeangeboten. All dies kostet Geld. Gerade für Kinder aus bedürftigen Familien ist
jedoch eine fundierte Bildung wichtig, denn sie ist der zentrale Weg aus der Armut.
Um Armutslagen abzumildern und Teilhabechancen von Kindern zu verbessern, hält Münster ein
umfangreiches Maßnahmenprogramm zur kinder- und jugendbezogener Armutsprävention
(V/0638/2017) vor.
3.1.2. Bildung und Besuchsdauer in Kindertageseinrichtungen
Chancengleichheit wird vor allem unter dem Fokus Bildungsgleichheit oder -gerechtigkeit thematisiert. Dabei wird in erster Linie von der sozialen Ungleichheit von Bildungschancen ausgehend von
der sozialen Herkunft argumentiert. Demnach hängen die Bildungschancen für Kinder zu einem
Großteil von Erziehung, Ausstattung und Förderung im Elternhaus ab.
Die Relevanz des Besuchs einer Kindertageseinrichtung liegt in Bezug auf die Chancengleichheit
darin, als erste Bildungsinstitution dazu beizutragen, herkunftsbedingte Benachteiligungen in den
frühen Lebensjahren – so weit möglich – auszugleichen. Es sollen die Chancen jener Kinder, die
im häuslichen Umfeld wenig Förderung erfahren, verbessert werden.
3.1.3. Bildung und Sprache
Sprache wird als ein Schlüssel zum Bildungserfolg von Kindern verstanden. Sprache kommt hierbei als Transportmittel von Bildungsinhalten eine grundlegende Bedeutung zu. So hat die
Bildungsforschung unter anderem bei den PISA-Studien herausgestellt, dass die Fähigkeit, naturwissenschaftliche oder mathematische Aufgaben erfolgreich zu lösen, zu weiten Teilen von der
Lesekompetenz abhängt. Beinahe jeder Lerngegenstand wird sprachlich vermittelt; Aufgaben und
ihre Lösungen werden in Texte gefasst. Ohne sprachliches Verstehen ist also ein Verständnis der
Sache fast nicht möglich. Ohne die Fähigkeit zur mündlichen und schriftlichen Verständigung, ohne ausreichende Lese- und Schreibkompetenz sind weder ein qualifizierter Schulabschluss noch
eine zukunftsfähige Berufsausbildung zu erreichen.
3.1.4. Bildung und Erziehungskompetenz von Eltern
Bildung beginnt in der Familie und die Familie prägt die Bildung ihrer Kinder. Gerade als Ort informeller Bildung kommt der Familie trotz einer zunehmenden institutionellen Betreuung in den ersten
Jahren eine Schlüsselrolle zu und bleibt der zentrale Erziehungs- und Bildungsort von Kindern.
Eltern sind die ersten und die wichtigsten Impulsgeber ihrer Kinder.
Sie entscheiden über die Wahl der Kindertageseinrichtung, der Grundschule sowie der weiterführenden Schule. Sie wählen aus der Angebotsvielfalt weitere Bildungsangebote aus.
Sie sind die entscheidende Triebfeder bei der Verzahnung von Bildung und Bindung. Eltern sorgen
für ein anregungsreiches Lebensumfeld. Die Entwicklung der Kinder wird also wesentlich durch die
Eltern bestimmt und gefördert.

3

Analyse des Bundesjugendkuratoriums (BJK) im August 2009,
https://www.bundesjugendkuratorium.de/assets/pdf/press/bjk_2009_3_stellungnahme_kinderarmut.pdf
4
Vgl. Hock, Beate / Holz, Gerda / Simmedinger, Renate / Wüstendörfer, Werner (2000): Gute Kindheit –
schlechte Kindheit? Armut und Zukunftschancen von Kindern in Deutschland. Abschlussbericht zur Studie
im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Frankfurt/Main;
12

Können Eltern diese entscheidende Rolle nicht oder nur begrenzt ausfüllen, geraten Kinder immer
mehr ins Abseits. Diese ständig wachsende Lücke hemmt das benachteiligte Kind im gesamten
weiteren Bildungsprozess.
3.2. Bildungsindex – Kennzahlenbeschreibung
Die theoretischen Einführungen zum Übergang Kita – Grundschule und die Beleuchtung von
Startbedingungen im Bildungsverlauf zeigen auf, dass Bildungsteilhabe in einem multifaktoriellen
Bedingungsgefüge steht. Die dargelegten Zusammenhänge lassen die Schlussfolgerung zu, dass
Bildungschancen in einem hohen Maße von den sozialen Bedingungen abhängen, in denen Kinder aufwachsen. Um die sozialen Zusammenhänge transparent sowie objektivierbar zu machen
und bedarfsgerechte Maßnahmen zu ergreifen, ist die Entwicklung einer Messgröße notwendig.
Der entwickelte Bildungsindikator für Münster aggregiert die Startbedingungen zu einer vergleichbaren Messgröße und liefert datenbasierte Informationen als Grundlage für eine fachliche Expertise. Der Index lässt sich als quantitative Messgröße verstehen, der komplexe, mehrdimensionale
Zusammenhänge möglichst einfach und verständlich beschreibt. Er bildet einen thematisch eindeutigen, mehrdimensional definierten Aspekt von Bildung mit verschiedenen statistischen Kennziffern ab.
Der Bildungsindex für Münster zeigt soziale und ökonomische Zusammenhänge auf und kann bezogen auf ein systematisches Übergangsmanagement dazu beitragen, gezielt Maßnahmen zu
ergreifen und die Bildungsgerechtigkeit und Bildungsteilhabe zu fördern.
Unter Berücksichtigung der o. g. Faktoren, die den Übergang maßgeblich beeinflussen, haben das
Amt für Schule und Weiterbildung und das Amt für Kinder, Jugendliche und Familie in Kooperation
mit dem Gesundheits- und Veterinäramt sowie dem Amt für Stadtentwicklung/-planung und Verkehrsplanung im Wissen um die unterschiedlichen Startbedingungen im Verlauf der Bildungsbiografie die folgenden Kennzahlen für Münster ausgewählt:
3.2.1. Armut (Sozioökonomischer Status)
Um Armutslagen von Kindern datenbasiert erfassbar zu machen, wird auf den „Sozioökonomischen Status“5 zurückgegriffen. Er umfasst folgende Transferleistungen:
•
•
•

SGB II Leistungen
Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
SGB XII Hilfen zum Lebensunterhalt

Der Sozioökonomische Status wurde im Rahmen der integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung im Teilprojekt Schulsozialarbeit entwickelt (V/0204/2018).
3.2.2. Institutionelle Förderung (Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung vor der Einschulung)
Der Besuch einer Kindertageseinrichtung vor Einschulung als institutionelle Förderung ist eine
sinnvolle Maßnahme zur Entwicklungsunterstützung bei Kindern aus belasteten Elternhäusern.
Da die Förderung vor allem von tragfähigen Beziehungen abhängt, gilt ein mindestens 2-jähriger
Kindergartenbesuch als effektiv.6
5

Der Sozioökonomische Status ist mit Daten des Sozialamtes und des Jobcenters realisiert worden
Jens Kratzmann, Thorsten Schneider, soziale Ungleichheiten beim Schulstart: empirische Untersuchungen
zur Bedeutung der sozialen Herkunft und des Kindergartenbesuchs auf den Zeitpunkt der Einschulung,
Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, 2008 www.diw.de/documents/publikationen/73/82423/diw_sp0100.pdf

6

13

Die Datenerfassung zur Besuchsdauer in den Kindertageseinrichtungen erfolgt im Rahmen der
Schuleingangsuntersuchung. Für den Bildungsindex wird die mindestens zweijährige Besuchsdauer vor Einschulung als Kennzahl erfasst.
3.2.3. Sprache (Sprachkompetenz/Sprachfähigkeit im Kontext der Schuleingangsuntersuchung)
Das frühzeitige Erkennen individueller Sprachdefizite ist eine wesentliche Voraussetzung dafür,
diese schon vor Eintritt in die Schule durch entsprechende Fördermaßnahmen möglichst weitgehend ausgleichen zu können. Alle Kinder, die im Folgejahr schulpflichtig werden, müssen bis zum
15. November zur Schule angemeldet werden. Im Rahmen des Anmeldeverfahrens ist bei allen
Kindern der individuelle Sprachstand zu erfassen (§ 36 Abs. 3 SchulG NRW).
Die Datenerfassung zur Sprachfähigkeit erfolgt im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung. Für
den Bildungsindex werden die zukünftigen Erstklässler, die Sprachauffälligkeiten aufweisen, als
Kennzahl erfasst.
3.2.4. Erziehungskompetenz (Elterliche Förderung im Kontext der Schuleingangsuntersuchung)
Das Elternhaus bestimmt maßgeblich das anregungsreiche Lebensumfeld von Kindern, um eine
frühkindliche Förderung zu gestallten.
Die Datenerfassung zur elterlichen Förderung erfolgt ebenfalls im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung. Für den Bildungsindex werden die zukünftigen Erstklässler, die von ihren Eltern
weder in Sport noch durch Schwimmen oder Musik gefördert werden, erfasst.
3.3. Bildungsindex – Methodische Umsetzung
Der Bildungsindex gibt an Hand verschiedener Kennzahlen einen Hinweis darauf, mit welchen
Grundvoraussetzungen, bezogen auf eine Bildungsteilhabe, Kinder in die Grundschule übergehen.
Die nachfolgende Abbildung visualisiert die Zusammensetzung und das Konzept des Bildungsindikators.

14

•sozioökonomischer Status

institutionelle
Förderung

•Besuchsdauer der
Kindertageseinrichtung

Sprache

•Sprachfähigkeit im Kontext der
Schuleingangsuntersuchung

elterliche
Förderung

•Elterliche Förderung im Kontext der
Schuleingangsuntersuchung

Bildungsindex

wirtschaftliche
Lage

Abbildung 1: Konzept Bildungsindex

In dem folgenden Abschnitt wird auf der Grundlage der Zusammensetzung die Normierung sowie
die Gewichtung des Indexes erläutert.
3.3.1. Datennormierung / Datenherkunft
Datenbasis für den entwickelten Bildungsindex ist die „Anmeldedatenbank Primarstufe“ des Amtes
für Schule und Weiterbildung mit dem Datenbestand für das Schuljahr 2017/2018. Dieser Datenbestand wurde dem Gesundheits- und Veterinäramt zum Zwecke der Durchführung der Schuleingangsuntersuchung übermittelt. Das Gesundheits- und Veterinäramt lieferte der abgeschotteten
Statistikstelle die für den Bildungsindex auswählten Daten zur frühkindlichen Förderung (institutionelle Förderung, Sprache, elterliche Förderung). In einem weiteren Schritt wurden die Daten in der
abgeschotteten Statistikstelle der Stadt Münster mit Daten zur wirtschaftlichen Lage der einzuschulenden Kinder verschnitten. Als Ergebnis liegt ein Bildungsindex vor, der die wichtigsten Teilindizes, die die Bildungschancen von Kindern maßgeblich beeinflussen, in einen Gesamtkontext
stellt.

15

3.3.2. Muster der Datenberechnung
Um eine Vergleichbarkeit der Schulen trotz unterschiedlicher Größe zu gewährleisten, wurde eine
Anteilsberechnung vorgenommen, die im folgenden Beispiel erläutert wird:
An einer Beispielschule fangen 15 Erstklässler an. In einem ersten Schritt wird die Betroffenheit
dieser Kinder in Bezug auf die genannten Teilindizes mit Hilfe der Schuleingangsuntersuchung
bzw. Identifizierung in den entsprechenden Bereichen die Betroffenheit geprüft, soweit diese Daten
vorhanden sind. Je Teilindex werden die realisierten Punkte in den einzelnen Indizes aufaddiert. In
der Beispielschule sind 5 Kinder in ihrer wirtschaftlichen Lage eingeschränkt. Insofern wurden im
Bereich wirtschaftlicher Lage 5 Punkte erzielt. Diese Berechnung wird mit jedem Teilindex vorgenommen, so dass die Beispielschule insgesamt 11 Punkte erzielt. In einem zweiten Schritt wurden
die erzielten Punkte ins Verhältnis mit der maximal möglichen Gesamtpunktzahl der Schule gesetzt. Auf die Beispielschule bezogen bedeutet dies, wenn alle Schülerinnen und Schüler in allen
Teilindizes punkten würden, würde die Beispielschule 60 Punkte erzielen. Da sie jedoch insgesamt
nur 11 Punkte erzielt, realisiert die Schule 18,3 Prozent der möglichen Gesamtpunkte. Der Bildungsindex beträgt für die Beispielschule somit 18,3.
Da bei den Schulen für über 95 % aller Schülerinnen und Schüler diese Daten verfügbar sind,
können die Anteilsaussagen als hinreichend genau angesehen werden.
Der Rückschluss auf ein einzelnes Kind ist auf Grund der evtl. fehlenden Daten von einzelnen
Kindern (Zuzug von außerhalb; keine Daten aus Schuleingangsuntersuchung) aber nicht möglich.
Schulanfänger der Beispielschule
Schüler/Schülerin 1
Schüler/Schülerin 2
Schüler/Schülerin 3
Schüler/Schülerin 4
Schüler/Schülerin 5
Schüler/Schülerin 6
Schüler/Schülerin 7
Schüler/Schülerin 8
Schüler/Schülerin 9
Schüler/Schülerin 10
Schüler/Schülerin 11
Schüler/Schülerin 12
Schüler/Schülerin 13
Schüler/Schülerin 14
Schüler/Schülerin 15
realisierte Punkte
[Anzahl der Kinder mit
Untersuchungsergebnis
im genannten Bereich]
maximal mögliche
Punkte
[Anzahl der Kinder
insgesamt]
Anteilsberechnung
%-Anteil der erreichten
Punkte an der möglichen Gesamtpunktezahl

Wirtschaftliche
Lage
Eingeschränkt

institutionelle
elterliche
Förderung Sprache Förderung
auffällig

Eingeschränkt
nein
auffällig
Eingeschränkt
nein
Eingeschränkt

nein

nein
Eingeschränkt
insgesamt
5

3

2

1

11
insgesamt

15

15

15

15

60
insgesamt

33,3

20,0

13,3

6,7

18,3

Tabelle 1: Beispielschule

Im nächsten Kapitel erfolgt eine Auswertung des Bildungsindex.

16

4. Bildungsindex – Auswertung
Der Bildungsindex liefert datenbasiert Erkenntnisse über die Startbedingungen von Kindern vor
ihrer Einschulung in der Bildungslandschaft.
Diese Startbedingungen werden in fünf Kategorien eingeteilt:
1. Kategorie eins umfasst die Schulen mit sehr guten Startbedingungen vor der Einschulung
2. Kategorie zwei umfasst die Schulen mit guten Startbedingungen vor der Einschulung
3. Kategorie drei umfasst die Schulen mit zufriedenstellenden Startbedingungen vor der Einschulung
4. Kategorie vier umfasst die Schulen mit belasteten Startbedingungen vor der Einschulung
5. Kategorie fünf umfasst die Schulen mit sehr belasteten Startbedingungen vor der Einschulung

Die folgende Tabelle erläutert die Spannweite der einzelnen Kategorien:
sehr geringer Indexwert
geringer Indexwert
mittlerer Indexwert
hoher Indexwert
sehr hoher Indexwert
Sicherung
Lebensunterhalt
durch Transferleitungen
Dauer des Kindertageseinrichtungsbesuchs von unter 2
Jahren vor der Einschulung

Sehr geringer Indexwert – Sehr hoher Indexwert - bezobezogen auf den städtischen gen auf den städtischen
Durchschnitt…
Durchschnitt…

…erhalten hier die wenigsten …erhalten hier die meisten
Kinder eine Transferleistung.
Kinder eine Transferleistung.

…sind hier die wenigsten
Kinder weniger als 2 Jahre vor
der Einschulung in einer Kindertageseinrichtung.
Fehlende
Sprachkompetenz …weisen hier die wenigsten
Schuleingangsuntersuchung
Kinder
Sprachauffälligkeiten
im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung auf.
Elterliche Förderung und Unter- …werden hier die meisten
stützung
Kinder in Sport, Schwimmen
oder Musik gefördert.

…sind hier die meisten Kinder
weniger als 2 Jahre vor der
Einschulung in einer Kindertageseinrichtung.
…weisen hier die meisten
Kinder
Sprachauffälligkeiten
im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung auf.
…werden hier die wenigsten
Kinder in Sport, Schwimmen
oder Musik gefördert.

Tabelle 2: Legende Bildungsindex

17

Startbedingungen der Kinder vor Beginn der Schullaufbahn
Grundschule
(G01-G45)

Anteil der erreichten Punkte an der möglichen Gesamtpunktezahl im untersuchten Bereich
Wirtschaftliche
Lage

institutionelle
Förderung

Sprache

elterliche
Förderung

Schulen mit sehr belasteten Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie E)
G01
57,1
20,0
34,3
80,0
G02
34,7
16,7
36,1
59,7
G03
50,0
2,0
28,0
64,0
Schulen mit belasteten Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie D)
G04
21,3
12,8
34,0
51,1
G05
30,5
15,3
22,0
44,1
G06
45,8
8,5
13,6
40,7
Schulen mit zufriedenstellenden Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie C)
G07
25,4
8,5
27,1
37,3
G08
28,6
11,9
26,2
31,0
G09
12,9
22,6
29,0
32,3
G10
23,1
15,4
23,1
30,8
G11
16,4
16,4
12,7
25,5
G12
19,6
5,4
17,9
26,8
G13
28,6
1,6
6,3
30,2
G14
9,9
6,2
23,5
24,7
G15
19,7
3,9
10,5
28,9
G16
19,6
10,7
10,7
21,4
Schulen mit guten Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie B)
G17
20,6
1,6
9,5
27,0
G18
9,5
12,7
6,3
30,2
G19
14,6
5,2
14,6
21,9
G20
16,3
7,0
14,0
18,6
G21
17,0
5,7
7,5
24,5
G22
19,8
5,0
5,0
18,8
G23
10,1
8,1
8,1
20,2
G24
20,9
0,0
6,0
19,4
G25
12,0
5,4
7,6
20,7
G26
14,5
5,5
5,5
20,0
G27
19,6
3,9
3,9
17,6
G28
10,3
3,4
3,4
27,6
G29
7,4
7,4
7,4
22,2
G30
8,8
2,9
8,8
23,5
G31
8,2
5,1
9,2
20,4
G32
7,6
6,5
12,0
16,3

Anteil der
erreichten
Punkte
an der
möglichen
Gesamtpunktezahl

47,9
36,8
36,0

29,8
28,0
27,1

24,6
24,4
24,2
23,1
17,7
17,4
16,7
16,0
15,8
15,6

14,7
14,7
14,1
14,0
13,7
12,1
11,6
11,6
11,4
11,4
11,3
11,2
11,1
11,0
10,7
10,6

18

G33
6,7
2,2
8,9
G34
6,8
2,3
4,5
G35
0,0
14,8
7,4
G36
8,0
4,0
6,0
G37
4,9
7,3
4,9
G38
7,7
5,1
2,6
G39
2,9
5,7
2,9
G40
9,4
3,1
3,1
G41
7,3
3,6
1,8
G42
3,7
5,6
1,9
G43
5,0
0,0
0,0
Schulen mit sehr guten Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie A)
G44
0,0
3,4
3,4
G45
1,8
1,8
3,6

Kategorie
Kategorie A:
bis unter
Kategorie B:
bis unter
Kategorie C:
bis unter
Kategorie D:
bis unter
Kategorie E:
größer/gleich

22,2
25,0
14,8
18,0
17,1
15,4
17,1
10,9
10,9
11,1
15,0

10,0
9,7
9,3
9,0
8,5
7,7
7,1
6,6
5,9
5,6
5,0

10,3
3,6

4,3
2,7

Kategoriegrenzen
5
5

5

5

5

15

15

15

15

15

25

25

25

25

25

35

35

35

35

35

35

35

35

35

35

Tabelle 3: Bildungsindex der Grundschulen in Münster

Der Bildungsindex liefert datenbasiert Erkenntnisse über Chancen und Risiken von Kindern in derBildungslandschaft. Er unterstützt und flankiert damit auch die bereits für Münster umgesetzte
Neuausrichtung Schulsozialarbeit, die indikatorgestützt Ressourcen bereitstellt.7 Der Bildungsindikator zeigt stadtweit auf, welche Grundschulen vor besondere Herausforderungen gestellt sind,
wenn sie Bildungschancen und Bildungsteilhabe ermöglichen wollen.
4.1. Kernaussagen zum Bildungsindex
Durch den Bildungsindex werden die Startbedingungen der Schülerschaft mit ihren unterschiedlichen Startbedingungen vor der Einschulung für den Bildungserwerb an Grundschulen aufgezeigt.
Der Bildungsindex bietet einen Rahmen, um mit Fachkräften aus Jugendhilfe und Schule die Ergebnisse zu analysieren, zu interpretieren eine Fachexpertise zu liefern.
Es ist deutlich zu erkennen, dass die weit überwiegende Zahl der Schulen mit sehr guten, guten
bzw. zufriedenstellenden Ressourcen ihrer Schülerschaft starten kann. Dies sind mit 39 von 45
Grundschulen 86,6 %. Die restlichen sechs Grundschulen verteilen sich auf drei in der Kategorie
belastet (6,7 %) und drei Grundschulen mit sehr belasteten Startbedingungen vor der Einschulung
(6,7 %).
7

Beschlussvorlage V/0741/2016 Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung Teilprojekt Neuausrichtung Schulsozialarbeit zum Schuljahr 2017/2018
19

Die Verteilung zeigt das für Münster insgesamt zu erwartende sehr gute Ergebnis. Allerdings
macht der Bildungsindex auch deutlich, dass einige wenige Grundschulen mit sehr belasteten
Startbedingungen vor der Einschulung konfrontiert sind und dabei vom Mittelfeld abweichen. Diese
wenigen Schulen sind bereits im Fokus der integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung. Für die Bildungslaufbahn der Schülerschaft an diesen Schulen sind weitere besondere
Maßnahmen zu ergreifen. Der Bildungsindex liefert weitere differenzierte Ansatzpunkte, um eine
zielgerichtete kita- und schulbezogene Maßnahmeplanung in enger Kooperation mit diesen
Grundschulen zu entwickeln und umzusetzen.
4.2. Auswertungsmöglichkeiten Teilindizes
Neben dem „Bildungsindex“ als Gesamtergebnis ist eine vertiefte Betrachtung auf Ebene der Teilindizes möglich. Die Teilergebnisse können über die Gesamtsicht des Bildungsindex hinaus Aufschluss über Startbedingungen von Kindern im Übergang Kindertageseinrichtung – Grundschule
geben.
Nach der deskriptiven Betrachtung der Teilindizes wird im Rahmen einer Korrelationsanalyse deutlich, dass sich bei der Ausprägung der Teilindizes hohe bzw. sehr hohe Übereinstimmungen aufzeigen. Eine Korrelationsanalyse beschreibt die wechselseitige Beziehung zwischen zwei oder
mehreren Merkmalen. Diese „Wechselbeziehung“ zeigt sich auch bei der Betrachtung aller Schulen. Die Verteilung der Merkmale in den Teilindizes ist nicht zufällig, sondern folgt einem Muster.
Die Schulen, die aufgrund der Startbedingungen beim Bildungsindex mit dem Gesamtergebnis
belastet und sehr belastet abschließen, weisen auch in den Teilindizes tendenziell belastete Werte
auf. Dies lässt sich beispielhaft an der Melanchthon- und Norbertschule nachvollziehen. Ein großer
Anteil der Kinder lebt von Transferleistungen, haben die Kindertageseinrichtung weniger als zwei
Jahre vor der Einschulung besucht, weisen Sprachauffälligkeiten im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung auf und werden wenig in Sport, Schwimmen oder Musik gefördert. Ein schlechtes
Gesamtergebnis bedingt belastete Werte in allen Startbedingungen vor der Einschulung.
Punktuell sind jedoch auch Abweichungen zu erkennen, die eine vertiefte Analyse und fachliche
Expertise erfordern. Deutlich wird schon im Rahmen einer punktuellen Erstbetrachtung, dass zwei
Teilindizes mit hoher Wahrscheinlichkeit in Abhängigkeit zueinander stehen. Es handelt sich um
die Teilindizes „institutionelle Förderung durch Kindertageseinrichtungen“ und „Sprachstand im
Rahmen der Schuleingangsuntersuchung“. Dies lässt sich beispielhaft an der Grundschule Kinderhaus West nachvollziehen. Die zukünftigen Erstklässler haben in dem Index „Institutionelle Förderung durch Kita“ einen sehr guten Wert, d. h. dass sehr viele Kinder mindestens zwei Jahre vor
Einschulung die Kindertageseinrichtung besucht haben. Obwohl die „wirtschaftliche Lage“ sowie
die „elterliche Förderung“ sehr belastete Werte ergeben ist die sprachliche Entwicklung nicht sehr
belastet, sondern belastet und weicht damit von den Vergleichsschulen Melanchthon- und Norbertschule ab.
Schon diese Erstbetrachtung lässt den Schluss zu, dass der Besuch einer Kindertageseinrichtung
zu einem besseren Sprachstand im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung führen kann. Damit
macht der Bildungsindex datenbasiert deutlich, dass eine institutionelle Förderung herkunftsbedingte Benachteiligungen im Hinblick auf den Sprachstand ausgleichen könnte.
4.3. Auswertungsmöglichkeiten Sozialraumbetrachtung – Räumliche Ebenen
Für den Bildungsindex mit den Teilindizes kann neben der gesamtstädtischen Sicht auch eine Auswertung auf Grundlage der kleinräumigen Gebietsgliederung auf Stadtbezirksebene erfolgen.
Dadurch werden Stadtteile und Quartiere im Hinblick auf bildungsbiografische Befunde und Unterschiede im „Übergang Kindertageseinrichtung – Grundschule“ identifiziert.
Es ist festzustellen, dass eine Verteilung der Schulen mit sehr guten, guten und zufriedenstellenden Startbedingungen vor der Einschulung fast über das gesamte Stadtgebiet zu erkennen ist.
Hiervon weicht der Stadtbezirk Münster-Nord ab. Laut Auswertung des Bildungsindexes auf
20

Grundschulebene wurden drei Schulen mit sehr belasteten Startbedingungen vor der Einschulung
ermittelt. Diese Schulen befinden sich im Stadtbezirk Münster-Nord. Zwei Grundschulen liegen im
Stadtteil Coerde und eine im Stadtteil Kinderhaus-West. Damit stützt der Bildungsindex die bisher
wahrgenommenen Problemlagen der Schulen vor Ort und untermauert die Notwendigkeit, dem
eingeschlagenen Weg für Schulen mit besonderen Herausforderungen auch weiterhin mit individuellen Maßnahmen zu begegnen.
Stadtteil

Münster-Mitte
(Altstadt, Innenstadtring, Münster-Süd,
Münster-Nordost)
11 Aegidii
15 Martini
22 Josef
24 Hansaplatz
25 Mauritz-West
27 Kreuz
31 Aaseestadt
32 Geist
33 Schützenhof
34 Düesberg
45 Mauritz-Mitte
46 Rumphorst
47 Uppenberg
Münster-West
51 Gievenbeck
52 Sentrup
54 Mecklenbeck
56 Albachten
57 Roxel
58 Nienberge
Münster-Nord
61 Coerde
62 Kinderhaus-Ost
63 Kinderhaus-West
68 Sprakel
Münster-Ost
71 Mauritz-Ost
76 Gelmer-Dyckburg
77 Handorf
82 Gremmendorf-Ost
86 Angelmodde
87 Wolbeck
Münster-Hiltrup

Anteil der erreichten Punkte an der möglichen Anteil der
Gesamtpunktezahl im untersuchten Bereich
erreichten Punkte
an der möglichen
Wirtschaftliche
institutionelle Sprache elterliche
Lage
Förderung
Förderung Gesamtpunktezahl

2,9
19,6
14,5
12,9
7,3
1,2
6,8
28,6
8,8
19,6
12,4
19,7
20,9

5,7
3,9
5,5
22,6
3,6
6,1
2,3
11,9
2,9
5,4
10,5
3,9
0,0

2,9
3,9
5,5
29,0
1,8
4,9
4,5
26,2
8,8
17,9
9,5
10,5
6,0

17,1
17,6
20,0
32,3
10,9
7,3
25,0
31,0
23,5
26,8
21,9
28,9
19,4

7,1
11,3
11,4
24,2
5,9
4,9
9,7
24,4
11,0
17,4
13,6
15,8
11,6

15,7
7,7
16,3
7,6
4,9
6,7

6,4
5,1
7,0
6,5
7,3
2,2

20,8
2,6
14,0
12,0
4,9
8,9

26,7
15,4
18,6
16,3
17,1
22,2

17,4
7,7
14,0
10,6
8,5
10,0

42,1
28,6
47,7
10,3

17,8
1,6
5,5
3,4

35,5
6,3
20,2
3,4

66,4
30,2
51,4
27,6

40,4
16,7
31,2
11,2

12,9
7,4
6,8
12,0
24,1
10,1

8,2
7,4
9,4
5,4
10,7
8,1

8,2
7,4
4,3
7,6
15,2
8,1

17,6
22,2
21,4
20,7
34,8
20,2

11,8
11,1
10,5
11,4
21,2
11,6

21

91 Berg Fidel
95 Hiltrup-Ost
96 Hiltrup-Mitte
97 Hiltrup-West
98 Amelsbüren

21,3
8,2
21,1
19,8
8,3

Kategorie
Kategorie A: bis unter

34,0
9,2
11,8
5,0
2,4

51,1
20,4
27,6
18,8
11,9

29,8
10,7
16,1
12,1
6,3

Kategoriegrenzen
5
5

5

5

5

(Stadteile mit sehr guten Startbedingungen
vor der Einschulung)
Kategorie B: bis unter

15

15

15

15

15

(Stadteile mit guten
Startbedingungen vor
der Einschulung)
Kategorie C: bis unter

25

25

25

25

25

(Stadtteile mit zufriedenstellenden Startbedingungen vor der Einschulung)
Kategorie D: bis unter

35

35

35

35

35

35

35

35

35

35

(Stadtteile mit belasteten Startbedingungen
vor der Einschulung)
Kategorie E: größer/gleich

12,8
5,1
3,9
5,0
2,4

(Stadtteile mit sehr belasteten Startbedingungen vor der Einschulung)
Tabelle 4: Bildungsindex, sozialräumliche Auswertung

4.4. Qualitätsentwicklungsprozess auf der Verfahrensebene
Die Ergebnisse des Bildungsindexes werden fachlich diskutiert, analysiert und interpretiert. Dies
bezieht sich sowohl auf die Verfahrensebene als auch auf die Ebene der Maßnahmenplanung.
Dazu wird ein differenziertes, quartiers- und schulbezogenes Maßnahmenprogramm zur Weiterentwicklung der Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen aufgelegt.
Die Entwicklung des Maßnahmenprogramms erfolgt in enger Kooperation zwischen dem Amt für
Kinder, Jugendliche und Familien, dem Amt für Schule und Weiterbildung und unter Einbeziehung
des Schulamtes für die Stadt Münster.
Gemeinsam mit den Akteuren vor Ort - Kindertageseinrichtungen, Grundschulen sowie freie Träger der Jugendhilfe wird partizipativ auf der Grundlage der Handlungsempfehlungen für die jeweiligen Stadtteile/Quartiere ein individuell zugeschnittenes Maßnahmenprogramm aufgebaut.

22

Dazu werden in den entsprechenden Stadtteilen Beteiligungsverfahren durchgeführt. Diese Beteiligungsverfahren richten sich an Fachkräfte und Eltern. Auch für die Kinder ist vorgesehen, sie
entsprechend ihres Entwicklungstandes bei der Ausgestaltung der Maßnahmen zum Übergang
von der Kindertageseirichtung in die Grundschule zu beteiligen und kindgemäße Formen der Partizipation umzusetzen.
Unter Berücksichtigung des entwickelten Bildungsindexes erfolgt der weitere strategische Bildungsplanungsprozess in folgenden Schritten:
•
•
•
•
•

Analyse und Erstellung der Fachexpertise
Festlegung operativer Ziel- und Handlungsfelder
Entwicklung Maßnahmenprogramm / Bildungsplan
Umsetzung
fortlaufendes Controlling

Die Entwicklung des Bildungsindexes für den Übergang Kindertageseinrichtung - Grundschule
stellt ein Arbeitsergebnis der integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung dar.
Die Realisierung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheits- und Veterinäramt im
Rahmen der Schuleingangsuntersuchung sowie dem Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und
Verkehrsplanung als abgeschottete Statistikstelle.
Mit dem Bildungsindex Kindertageseinrichtung – Grundschule können Entwicklungsperspektiven
von Jugendhilfe und Schule in der Schnittstelle zum Übergang Kindertageseinrichtung – Grundschule optimiert werden. Eine vernetze Planung und ergebnisorientierte Zusammenarbeit wird unterstützt.

23