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Projektbeschreibung

                                    
                                        Projektbeschreibung
Die Aufarbeitung der Geschichte der Stadtverwaltung Münster während der NS-Herrschaft
knüpft an den aktuellen allgemeinen Forschungsstand zum Verwaltungshandeln in der Zeit
des Nationalsozialismus an und entwickelt davon ausgehend spezifische, auf das historische
Geschehen in Münster bezogene Fragestellungen:
Fragestellungen
•
Gab es politische und mentale Haltungen bzw. Verhaltensweisen in der
Stadtverwaltung von Münster während der Zwischenkriegszeit, die den Aufstieg des
Nationalsozialismus bis 1933 förderten oder auch hemmten?
•
Welche Teile der Stadtverwaltung waren in besonderem Maße und möglicherweise
eigeninitiativ an den Entrechtungs- und Verfolgungsmaßnahmen des NS-Regimes beteiligt?
(beispielsweise in der ressortübergreifenden Verfolgung politisch Andersdenkender, der
Juden, der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Homosexuellen, der „Asozialen“ …)
•
Verfolgte die Stadtverwaltung im Rahmen des polykratischen nationalsozialistischen
Systems dezidiert eigenständige Interessen, etwa im Rahmen der als „Arisierung“
bezeichneten Ausplünderung der Juden oder im Bereich der sogenannten
Erbgesundheitspolitik?
•
Wurden Vorgaben unkritisch umgesetzt? Welche Handlungsspielräume hatten oder
entwickelten die Mitarbeiter/innen der Stadtverwaltung in unterschiedlichen Bereichen und
auf unterschiedlichen Hierarchieebenen?
•
Gab es Formen der Verweigerung, des widerständigen Handelns, der Resistenz oder
des Eigensinns gegenüber dem NS-Regime unter den Mitarbeiter/innen der Stadtverwaltung?
•
Welche Maßnahmen ergriff die Stadtverwaltung im Rahmen des Zweiten Weltkriegs,
besonders während des Luftkriegs und in der Kriegsendphase?
•
In welchem Maße fanden NS-belastete Mitarbeiter/innen auch nach 1945 Verwendung
in der Stadtverwaltung? Welche Wirkung hatte die Entnazifizierung? Wie wurde mit NSVerfolgten umgegangen?
•
Gibt es inhaltliche Kontinuitäten zum antidemokratischen und rassistischen
Verwaltungshandeln vor 1945 und welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?
•
Wie ist die Geschichte der Stadtverwaltung Münster in der Zeit des
Nationalsozialismus im Vergleich zur Geschichte vergleichbarer Stadtverwaltungen zwischen
1933-1945 zu bewerten?
Aus diesen Fragestellungen ergeben sich für das Projekt drei Zielrichtungen.
1.
Das erste Teilprojekt nimmt die Stadtverwaltung Münster in der NS-Zeit für die sog.
Friedensphase des Nationalsozialismus 1933-1939 in den Blick.
Das Teilprojekt dient dazu, den nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erfolgten
„Elitentransfer" in der Stadtverwaltung zu untersuchen und fragt danach, in welchen

Bereichen der städtischen Administration personelle Zäsuren (in welchem Umfang?)
durchgesetzt wurden, aber auch danach, wo es gegebenenfalls Kontinuitäten gegeben hat. In
welchem Verhältnis standen Staat, Partei und kommunale Administration als konkurrierende
Träger der Exekutivgewalt zueinander, in welchem Verhältnis die politischen Eliten zu den
Funktionseliten? Wie wirkten sich die Veränderungen im Personal auf die Verwaltung als
Institution, ihr Selbstverständnis, ihren Professionalisierungsanspruch, ihre Leistungsfähigkeit
und ihre Ziele aus? Welche Dezernate der Stadtverwaltung beteiligten sich bereits in der sog.
Friedensphase des „Dritten Reiches" an den Entrechtungs- und Verfolgungsmaßnahmen des
Regimes?
2.
Das zweite Teilprojekt untersucht die Stadtverwaltung Münster in der NS-Zeit für den
Zeitraum des Zweiten Weltkriegs 1939-1945 und die Nachkriegszeit.
Während des Zweiten Weltkriegs erfuhr der Aufgabenbereich der Stadtverwaltung Münster
eine erhebliche qualitative Veränderung und Erweiterung. Dabei kam es zum einen zu einer
wechselseitigen Dynamisierung und Verzahnung von zentralstaatlicher und kommunaler
Verwaltung. Es ist zu untersuchen, ob und wie die Stadtverwaltung Teil der gesamtstaatlichen
Diskriminierungs- und Verfolgungsmaschinerie geworden ist. Zum anderen ist die spätestens
seit dem Bombenkrieg erfolgte Transformation der städtischen Administration zu einer
Notstandsverwaltung zu untersuchen, was erneut zu einer maßgeblichen Veränderung des
administrativen Aufgabenspektrums geführt hat (u.a. Aufrechterhaltung der öffentlichen
Ordnung, Aufgaben der Wohnraumbewirtschaftung, Sicherstellung der Lebensmittel- und
der medizinischen Versorgung, des Schulbetriebs etc.). Entscheidend wird dabei sein,
personelle und organisatorische Kontinuitäten bzw. Zäsuren in der Stadtverwaltung vom
„Dritten Reich" bis ca. 1960 zu untersuchen.
3.

Das Projekt wird drittens der Öffentlichkeit präsentiert

Eine wichtige Rolle in der Vergangenheitsaufarbeitung spielt die öffentliche Darstellung und
Vermittlung der Forschungsergebnisse. Zu Beginn des dritten Forschungsjahres soll dazu ein
Workshop zur Fragestellung stattfinden, dessen Ergebnisse publiziert und so der
Fachöffentlichkeit vorgestellt werden. Zwischenergebnisse der Forschung sollen indes
kontinuierlich und in geeigneter Form (Zeitung, Ausstellung, andere Medien wie Broschüre)
der lokalen und regionalen Öffentlichkeit präsentiert werden. Schließlich ist auch die
Erarbeitung einer „kollektiven Biographie" der Verwaltungsbeamten Münsters im „Dritten
Reich" geplant. Damit sollen Gemeinsamkeiten und besondere Aspekte einer Berufs- und
Altergruppe aufgezeigt werden. Auf diese Weise soll das Projekt, auch über die Teilprojekte
hinaus, einen Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Zeit in Münster leisten.